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Klinik-Personal: So sieht's aus

Die Elbe Kliniken in Stade und Buxtehude sind der größte Arbeitgeber im Landkreis Stade (Foto: archiv)
Geschäftsführer legt Situation an Elbe Kliniken offen / 30 von knapp 1.300 Pflegekräften nach Tarif bezahlt

bc. Stade/Buxtehude. Mehr Transparenz war gefordert, mehr Transparenz wurde geboten. Gute drei Stunden referierte Siegfried Ristau, Geschäftsführer der Elbe Kliniken - mit gut 2.600 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber im Landkreis Stade - im Kreisausschuss über die Personalsituation an seinem Haus. So hatten es die Grünen gefordert. Sie wollten im Kern die Frage geklärt wissen, warum es so schwer ist, die Krankenhaus-Angestellten nach Tarif zu bezahlen. Dabei machte Ristau deutlich: "Ich möchte auch zum Tarif zurückkehren. Lieber gestern als heute." Allerdings müsste dann einer das Defizit ausgleichen.
Bekanntlich gehört der Klinikverbund zur Hälfte dem Landkreis und zur anderen Hälfte der Stadt Stade. 2007 sind die Elbe Kliniken aus dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) ausgestiegen. Der Grund: Die Krankenkassen trugen Tarifsteigerungen nicht mehr voll mit. Die Antwort vieler Krankenhäuser: eigene Haustarifverträge. In den Elbe Kliniken verdienen seitdem Pfleger ungefähr zwölf Prozent weniger als nach TVöD.
Ristau lieferte den Grünen und den restlichen Politikern samt Landrat Michael Roesberg im nicht-öffentlichen Ausschuss (siehe Info-Kasten unten) nun detaillierte Zahlen. Von den ca. 800 Vollkräften im Pflegebereich - das sind 1.276 Mitarbeiter - wird nur die absolute Minderheit nach TVöD bezahlt: "Knapp 30 Pflegekräfte", so Ristau.
120 Vollkräfte seien in einer Tochtergesellschaft beschäftigt, die Bezahlung sei aber die gleiche, stellte der Krankenhaus-Chef klar. Der Unterschied läge nur bei der betrieblichen Altersvorsorge. Außerdem wollten die Grünen wissen, wie häufig das Pflegepersonal krank sei. Ristau: "Im Schnitt betragen die krankheitsbedingten Fehlzeiten ca. 5,2 Prozent." Kein übermäßig hoher Wert.
Die Suche nach neuen Mitarbeitern gestalte sich zunehmend schwerer. 35 Stellen waren Ende 2017 nicht besetzt. Die Fluktuationsrate sei höher als in der Vergangenheit, so Ristau. Im Pflegebereich habe es im vergangenen Jahr 40 Eigenkündigungen gegeben. "Zu viele", macht Ristau deutlich. Die Gründe seien vielfältig. Ob es daran liegt, dass man in Hamburg 300 bis 400 Euro mehr im Monat verdienen könne, sei unklar. Ristau unterstrich jedoch auch, dass die Zahl der Pflegekräfte an den Elbe Kliniken in den vergangenen zwölf Jahren um ca. 600 Vollkräfte angestiegen sei. 30 Prozent mehr. Der durchschnittliche Anteil von Zeitarbeitskräften und festem Personal auf den Allgemeinstationen betrage 1,7 Prozent.
Grünen-Fraktionsvorsitzende Verena Wein-Wilke war mit der Ausführlichkeit der Antworten zufrieden. Nicht aber mit dem Fazit. Es sei klar, dass man mittelfristig zurück zum Tarif kehren müsse. Ihr leuchte nicht ein, wieso sich ein Krankenhaus mit einem Eigenanteil an den geplanten Neu- und Umbauten (das WOCHENBLATT berichtete) beteiligen müsse. Geld, dass dann für eine anständige Bezahlung der Pflegekräfte fehle. "Ein Unding, dass solche Investitionen nicht zu 100 Prozent vom Land getragen werden", so Wein-Wilke.
Es müsse darüber nachgedacht werden, ob nicht die öffentliche Hand im Kreis einspringen muss, um die Lücke zur Tarifbezahlung aus ihrer Tasche zu schließen. Geschätzte fünf Mio. Euro wären das pro Jahr. Wein-Wilke: "Mir ist bewusst, dass wir da dicke Bretter bohren müssen."


Warum nicht öffentlich?

Die Grünen kritisieren, dass Siegfried Ristau die Antworten auf ihren Fragenkatalog im nicht-öffentlichen Kreisausschuss geben musste: "Das war ungeschickt. Die Öffentlichkeit hat ein Recht auf diese Antworten", sagt Fraktionsvorsitzende Verena Wein-Wilke. So werde Transparenz erzeugt.
"Über Beteiligungen des Landkreises wird immer in nicht-öffentlicher Sitzung gesprochen", erklärt der Erste Kreisrat Eckart Lantz.