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Kommentar: Der externe Gutachter ist auch ein guter Verkäufer in eigener Sache

Selbermachen oder ein externes Gutachten bestellen - das ist hier die Frage

Buxtehude. Buxtehude bezahlt 65.000 Euro für ein externes Gutachten zur Sportentwicklungsplanung. Die Verwaltungsspitze warb intensiv darum, die Politik stimmte schlussendlich zu (das WOCHENBLATT berichtete). Es gibt Argumente für und gegen diese Entscheidung. Manche Sätze, die während der Debatte im Schul- und Sportausschuss fielen, stimmten mich jedoch nachdenklich.



So wurde gleich mehrfach lobend hervorgehoben, dass der externe Experte persönlich den weiten Weg von Stuttgart an die Este gereist war und die Ausschussmitglieder mit seinen Ausführungen "inhaltlich weiter" gebracht hätte. Also: Der Fachmann hatte gerade einen 65.000-Euro-Auftrag eingesackt - persönliches Erscheinen ist da wohl eine Selbstverständlichkeit, ebenso, dass seine Fachkompetenz den Auftraggeber weiterbringt.

Und, was mir ebenfalls aufgefallen ist: Dieser - und andere Experten - sind nicht nur Fachleute auf ihrem Gebiet, sie sind gut geschulte Verkäufer, die ihre Fachkompetenz hervorragend vermarkten und die erzielten Ergebnisse argumentativ geschickt zu verteidigen wissen.

Was nachdenklich stimmte: Mehr als einmal, von Politikern und der Bürgermeisterin, fiel der Satz, dass eine solche Analyse "professionell" sein müsse. Heißt das im Umkehrschluss, die Verwaltung würde das nicht professionell hinbekommen? Da müssten die kompetenten Mitarbeiter im Stadthaus doch vehement Einspruch erheben. Niemand erwartet von einer Kommune, dass sie über das Instrumentarium für eine repräsentative Online-Befragung verfügt. Doch dieser einzelne Baustein wäre für erheblich weniger Geld einzukaufen als ein gesamtes Gutachten.

Ein weiteres Argument, dass mich irritierte: Ein externes Gutachten sei wichtig, weil Objektivität das A und O sei und Ratsmitglieder, die in der Kommune leben, oft betriebsblind seien. Konsequent zuende gedacht bedeutet dies, dass sich die Räte selbst abschaffen müssten. Denn bei vielen kommunalpolitischen Entscheidungen spielt die Nähe zu den Menschen, Vereinen und Institutionen eine mehr oder minder bedeutende Rolle. Ich dachte bislang, dass Räte damit souverän umgehen und trotzdem objektive Entscheidungen treffen können - oder sich aber bewusst für Klientelpolitik entscheiden.

Tom Kreib