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Kontroverse Debatte: "Sitzenbleiben blockiert"

Sitzenbleiben oder nicht? Das wird zur Zeit von Rot-Grün in Hannover diskutiert

(tk). Soll das Sitzenbleiben abgeschafft werden? Neben den großen Bildungsthemen wie "Turbo-Abi" und vereinfachte Gesamtschulgründungen diskutiert die rot-grüne Verhandlungsgruppe für die neue niedersächsische Landesregierung auch dieses Thema. Was spricht für und was gegen das Ende der Ehrenrunde? Das WOCHENBLATT hat bei Schulleitungen und Lehrern in den Landkreisen Stade und Harburg nachgefragt.

Ruprecht Eysholdt, Direktor des Buxtehuder Gymnasiums Süd, findet das Sitzenblieben nicht grundsätzlich falsch. "Das kann Schüler voranbringen." Nach der wiederholten Klasse würden sie oftmals besser Fuß fassen.
Wenn das Sitzenbleiben abgeschafft wird, so Eysholdt, müssen begleitende Dinge, sogenannte differenzierende Maßnahmen, greifen. Schüler werden in den Fächern besonders gefördert, in denen sie Schwächen haben. "Dafür brauchen wir Lehrerstunden und Räume", so der Schulleiter. Wer das Sitzenbleiben abschaffe, müsse daher erklären, wie solche begleitenden Maßnahmen finanziert werden sollen. Grundsätzlich macht sich Ruprecht Eysholdt Sorgen, dass in diesem Zusammenhang der Anspruch der Gymnasien heruntergeschraubt werden solle.
"Zum Prinzip der Gesamtschule gehört es, dass kein Schüler sitzenbleibt", sagt dagegen Jörg Utermöhlen, Leiter der Integrierten Gesamtschule (IGS) Buxtehude. Eine Schule müsse sich auf unterschiedliche Lerngeschwindigkeiten ihrer Schüler einstellen und pädagogisch darauf reagieren. Dass an einer Gesamtschule ein Schüler "hängenbleibe" geschehe nur in einem von 300 Fällen, so Utermöhlen. Sein Fazit: "Wiederholen schafft keinen Lernzuwachs."
An Waldorfschulen wurde das Sitzenbleiben bereits vor 90 Jahren abgeschafft. "Damit haben wir allerbeste Erfahrungen gemacht", sagt Matthias Klein, Lehrer an der Rudolf Steiner-Schule-Nordheide in Kakenstorf. Der Grund: Die kindliche Entwicklung verlaufe unterschiedlich schnell und nicht bei allen Schülern gleichförmig. "Sitzenbleiben blockiert", sagt Klein. Eine positive Entwicklung werde eher verhindert als gefördert.