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Ministerpräsident mutiert zum Dauergast in Stade

Ministerpräsident Stephan Weil (2.v.li.) beim Sommerfest der SPD in Stade (Foto: SPD Stade)
Hat der Ministerpräsident etwa eine neue Leidenschaft für einen der nördlichsten Teile seines Bundeslandes entdeckt? Stephan Weil mutiert zum Dauergast in Stade. Am vergangenen Freitag stattete er dem Landkreis Stade erneut einen Besuch ab. Beim Sommerfest der SPD in Stade gab er sich volksnah, bolzte gegen die Torwand und beantwortete brav die Fragen der 130 Gäste.
Moment mal
Ob bei Airbus, bei der Dow, im früheren Atommeiler, das Regierungsoberhaupt scheint sich die Kritik zu Herzen genommen zu haben, die Landkreise weit, weit weg von Hannover habe er nicht auf dem Radar. Der nächste Termin steht schon fest: Im August eröffnet er das Holk-Fest in Stade. Dass sich die Ochsentour-Termine in Hannover-fernen Städten und Dörfern häufen, je näher die Landtagswahl im Januar 2018 rückt, dürfte dabei jedem klar sein.
Aber warum wird Stephan Weil eigentlich so selten im Landkreis Harburg gesehen? Bis auf wenige Kurz-Auftritte gilt Weil in der Nordheide fast schon als Phantom. Woran liegt das? Dass aus der tiefschwarzen CDU-Zone in schöner Regelmäßigkeit verbale Giftpfeile auf ihn geschossen werden, sollte kein Grund für seine Abwesenheit sein.
Die Kritik an Weil entzündet sich vor allem an einer Frage: Braucht Niedersachsen wie Hamburg und Schleswig-Holstein einen Verkehrskoordinator, der die unzähligen Baustellen auf den Straßen in der Metropolregion besser mit den Nachbar-Ländern abstimmt? Die CDU sagt „ja, unbedingt“, die SPD „nein, ein Koordinierungskreis tue es auch“.
Letzteres lässt den Volkszorn wachsen, denn die Fahrt nach Hamburg oder nur in Richtung der Metropole wird zunehmend zum Ärgernis mit hohem Nerv-Faktor. Und nicht nur das: Vielen Firmen kosten die Dauerstaus bares Geld. Ein Verkehrskoordinator könnte Abhilfe schaffen. Den fordern übrigens auch die Landräte beider Kreise.
Stephan Weils „Bussi links, Bussi rechts-Parteikollegin“ Petra Tiemann aus Kutenholz, die Vize-Vorsitzende der SPD-Fraktion in Hannover, rutschte im März schon mal raus, dass auch Niedersachsen einen Koordinator nach Hamburger Vorbild bekommen werde. Danach war davon aber nichts mehr zu hören.
Wenn nicht Tiemann, wer sonst könnte Weil und seinen Verkehrsminister davon überzeugen, dass dieser Posten tatsächlich kommen muss. Andernfalls werden die Staugeplagten hierzulande in der SPD keine echte Wahloption sehen können.
Björn Carstens