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Nach dem FDP-Debakel: Serkan Tören hat noch Lust auf große Politik

Serkan Tören ist überzeugt, dass die FDP im nächsten Bundestag vertreten sein wird - mit neuem Führungspersonal. (Foto: oh)

tk. Stade. Über das Wahlergebnis der FDP muss man nicht sprechen, es war eine Katastrophe." Das politische Erdbeben hat Serkan Tören aus dem Bundestag zurück in seine Anwaltskanzlei nach Hamburg befördert. Der Stader Politiker Tören spricht nach dem Wahldebakel der Liberalen aber weder von einem Scherbenhaufen noch von einem kompletten Neustart. "Die liberale Sache ist nicht zu Ende." Er schließt für sich nicht aus, das "Ex" vor dem Bundestagsabgeordneten durch die drei Buchstaben MdB für "Mitglied im Bundestag" zu ersetzen. Serkan Tören hat noch Lust auf Politik.

Mit sich und seiner Partei geht er kritisch um: Es habe zu viele gegenseitige Angriffe und eine zu starke innere Zerrissenheit gegeben. Und die Liberalen hätten es nicht geschafft, ihre Erfolge in Wählerstimmen umzumünzen. Dass die Praxisgebühr abgeschafft wurde, sei das Verdienst der FDP gewesen. "Nur hat darüber keiner mehr geredet", sagt Tören.
Die Kommunikation war mies, bilanziert Tören. Beispiel: das Rösler-Zitat von der Anschlussverwendung der Schlecker-Frauen. Es setzte mediale Prügel. "Da sind wir kalt und hartherzig rübergekommen", sagt Tören. Anders erklärt, hätte die Schlecker-Pleite besser für liberale Politik, gestanden. Dass der Steuerzahler etwa nicht für die Fehler eines Unternehmers haftbar gemacht werden dürfe.
Serkan Tören ist kein Politiker, der sich selbst lautstark inszeniert. "Auch meine Erfolge habe ich nicht gut genug verkauft", sagt er. So habe er entscheidend daran mitgewirkt, die A26-Finanzierung hinzubekommen, das sei aber untergegangen. "Das war nicht die CDU allein."
Das sich Serkan Tören, der im Landesvorstand der FDP und einer Arbeitsgruppe auf Bundesebene aktiv ist, eine erneute Kandidatur für Berlin vorstellen kann, hat für ihn vor allem mit Themen zu tun. "Ich wollte noch viele Dinge anpacken." Das reicht von Datenschutz über eine neue Architektur der Sicherheitsbehörden bis hin zu besseren Regeln für die Zuwanderung qualifizierter Arbeitnehmer.
Tören kann sich zur Zeit nur via Facebook und Twitter an den Debatten der großen politischen Themen beteiligen. Er ist überzeugt, dass die FDP mit runderneuertem Führungspersonal den Wiedereinzug in den Bundestag schafft. "Bei den Wählern sehe ich großes Potential", sagt Tören. Schon bei den jetzigen Koalitionsverhandlungen von CDU und SPD zeige sich, dass viel zu sehr nach dem Staat und seiner Intervention gerufen werde. Beispiel: die Frauenquote für Aufsichtsräte. "Ich bin überzeugt, dass viele Menschen weniger Staat wollen."
Eine Sache vermisst der Jurist und Fußballfan allerdings schon: einmal die Woche mit Kollegen aus allen Fraktionen kicken. Aber nach dem Spiel ist bekanntlich vor dem Spiel und Polit-Anpfiff ist in vier Jahren.