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Naturschutz und Landwirtschaft: Kampf um Kompromisse

Landwirt Johannes Prigge setzt sich dafür ein, dass er auf seinen hofnahen Grünland-Flächen weiter Futter produzieren kann
(bc). Naturschutz ist wichtig! Wichtig ist aber auch, alle Betroffenen auf dem Weg dahin mitzunehmen. Besonders die Landwirte. Wie das funktionieren kann, sofern die Betroffenen ihre Interessen offensiv gegenüber der Politik vertreten, zeigte jüngst ein Beispiel aus dem Umweltausschuss des Kreistages.
Johannes Prigge (30) war schon ein wenig überrascht, als er aus den amtlichen Bekanntmachungen erfuhr, dass die Kreisverwaltung plant, sein Grünland am Rande des Neukloster Forst als Naturschutzgebiet (NSG) auszuweisen. „Mit uns hatte darüber vorher niemand gesprochen“, sagt er. Ein NSG bedeutet für den jungen Landwirt aus Hedendorf aber weitreichende Konsequenzen. Auf seinen Flächen wäre keine Neuansaat mehr möglich gewesen. „Wir müssen aber vernünftiges Futter ernten können“, sagte Johannes Prigge im Ausschuss.
Der Familienbetrieb setzt auf Nachhaltigkeit, vor allem auf gentechnikfreie Fütterung. Die Wiese, um die es geht, ist knapp vier Hektar groß, liegt in Sichtweite des Kuhstalls und wird vom ökologisch wichtigen Mühlbach durchschnitten. Letzter Punkt ist der Hauptgrund für den Landkreis, Prigges Grünland zu einem NSG umzuwandeln.
Auf der anderen Seite stehen die Interessen des Landwirtes, seine Marktstrategie, die ihm letztlich die Existenz sichern soll, verfolgen zu dürfen. „Für uns ist diese hofnahe Fläche logistisch wichtig. Vor allem auch, weil schon andere Grünland-Flächen von uns im Bullenbruch Auflagen unterliegen“, erklärt Johannes Prigge.
Die Politiker im Umweltausschuss rangen am Mittwoch um einen Kompromiss. Der war nicht leicht zu finden. Wie berichtet, muss der Landkreis nach dem Willen der EU Schritt für Schritt bis Ende des Jahres NSG-Verordnungen erlassen, mit dem die rechtlichen Vorgaben zur Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) erfüllt sind. Für das FFH-Gebiet „Neuklosterholz“ und das angrenzende Mühlbachtal, insgesamt 241 Hektar groß, sieht der Kreis den strengeren Schutzstatus eines NSG als erforderlich an. Der größere Teil des Neukloster Forst (350 Hektar) kann dagegen als Landschaftsschutzgebiet bestehen bleiben.
In einem NSG ist die Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen eingeschränkt. Nicht nur auf Prigges Grünland, auch Ackerflächen sind im Neuklosterholz davon betroffen, auf denen der Einsatz von Insektiziden künftig verboten ist.
Trotzdem wollte ein Großteil der Ausschuss-Mitglieder Johannes Prigge und den anderen Landwirten helfen. Christiane von der Decken (CDU) dazu: „Für die Landwirte sind diese Flächen Teil ihrer Lebensgrundlage. Johannes Prigge möchte ja nicht jedes Jahr seine Fläche umbrechen.“ Wahrscheinlich sogar nur alle fünf bis sieben Jahre. Kreislandwirt Johann Knabbe ergänzte: „Die Auflagen schränken die Landwirte bei ihren Chancen auf dem Markt stark ein.“
Letztlich fand sich ein Kompromiss. Das Gebiet wird ein NSG, aber: „Wir können die Grünland-Erneuerung und den Einsatz von Insektiziden unter einen Zustimmungsvorbehalt stellen“, so Dr. Uwe Andreas, Chef des Naturschutzamtes. Bedeutet: Erst Erlaubnis holen, dann machen. Einstimmig votierte der Ausschuss für diesen Vorschlag.
Johannes Prigge: „Sofern es dann dazu kommt und der Dialog mit uns gesucht wird, sind wir sehr zufrieden.“
• Ein weiterer Effekt der neuen Verordnung: Der Friedwald im Neukloster Forst wird legalisiert.