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Nutztierhaltern stehen Anti-Wolf-Finanzhilfen zu

(Foto: Wildpark Schwarze Berge)
(bc). Der Wolf und seine zunehmende Ausbreitung ist ein großes Thema in Niedersachsen. Am Mittwoch diskutierte der Umweltausschuss des Kreistages auf Antrag von CDU- und Grünen-Fraktion intensiv darüber - teils sachlich, teils auch emotional. Zudem informierte Verena Harms aus dem 2015 eingerichteten Wolfsbüro des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) über den aktuellen Stand an Nutztierrissen sowie über Möglichkeiten von Ausgleichszahlungen und Präventionsmaßnahmen.
Fakt ist, laut Harms, dass in Niedersachsen derzeit nachweislich neun Wolfsrudel, zwei Paare sowie ein Einzelwolf leben - im Landkreis Stade bislang kein einziger. Allerdings gingen aus dem Landkreis zehn sogenannte C3-Hinweise aus der Bevölkerung über Wolfssichtungen ein. Registriert wurde ein nachweislicher Riss von Schafen in Kehdingen, außerdem lägen drei Fotobeweise vor. Darüber hinaus wird derzeit geprüft, ob der Wolf für einen Herdenausbruch verantwortlich sein könnte. Nach Angaben von Harms kämen die Tiere aus dem Raum Cuxhaven und durchstreiften den Landkreis. Für das Monitoring sei die Landesjägerschaft verantwortlich.
Gemäß der Richtlinie Wolf sei es so, dass Nutztierhalter im Haupt- und Nebenerwerb (Schafe, Ziegen, Gatterwild, andere Tierarten nur im Ausnahmefall) für 80 Prozent ihrer Investitionskosten Fördergelder erhalten können, sei es für den Kauf von Zäunen, für Zubehör oder für Herdenschutzhunde. Dafür stehen pro Halter und Jahr Mittel von 30.000 Euro zur Verfügung. Arbeitskosten sind darin nicht berücksichtigt.
Auch Ausgleichszahlungen für gerissene Tiere oder für Kollateralschäden (z.B. Fehlgeburten) sind vorgesehen. Auch dafür sind pro Halter und pro Jahr 30.000 Euro eingeplant. Harms: „In der Theorie sind dann pro Halter pro Jahr 60.000 Euro möglich.“
Innerhalb der Förderkulisse haben Nutztierhalter - dazu zählen auch Halter von Pferden und Rindern - im Landkreis Stade ein Jahr Zeit, einen „wolfsabweisenden Grundschutz“ (1,20 Meter Mindestzaunhöhe plus 30 Zentimeter Untergrabeschutz) umzusetzen, um im Fall der Fälle Ausgleichszahlungen zu erhalten - sofern der Wolf als Verursacher amtlich festgestellt ist. Das gilt auch für Hobbyhalter.
Eine Empfehlung seitens des NLWKN, Rinder und Pferde gesondert mit Zäunen zu schützen, gibt es jedoch nicht. „Ein Übergriff ist relativ unwahrscheinlich“, so Harms. Bislang gebe es in Niedersachsen keinen Fall, bei dem ein Pferd von einem Wolf gerissen wurde.
Soweit der sachliche Teil der Diskussion. Als der CDU-Bundestagsabgeordnete Oliver Grundmann (CDU), der nach eigenen Angaben in Berlin bereits als „Wolfsrebell“ bekannt ist, extra seinen Vorsitz im Umweltausschuss abgab, um sein Plädoyer für eine Begrenzung der Population zu halten, wurde es wieder ein Stück weit emotionaler: „Wir brauchen eine Wolfsobergrenze. Der Wolf muss ins Jagdrecht aufgenommen werden. Wenn wir es zulassen, dass der Wolf die Region erobert, verlieren wir die Menschen.“ Eine Wolfsideologie führe nicht weiter. Mit Blick auf die betroffenen Nutztierhalter sagte Grundmann: „Auch wenn die Materialkosten übernommen werden, mit den Arbeitskosten werden sie alleine gelassen.“


Weitere Stimmen aus der Politik

• Jens Dammann von der AfD stieß ins Horn von Oliver Grundmann: „Warum muss immer etwas passieren, bis die Politik reagiert. Man stelle sich nur mal vor, wenn der Wolf Kinder angreift. Der Wolf muss bejagt werden.“
• Kersten Schröder-Doms (SPD): „Das Risiko für den Menschen muss ausgeschaltet werden.“
• Benjamin Koch-Böhnke (Linke): „Wir reden nicht über eine Wolfsinvasion. Die Natur erholt sich nur. Wichtig ist, dass den Nutztierhaltern auch die Arbeitskosten ersetzt werden.“
• Verena Wein-Wilke (Grüne): „Unser Versuch, die Diskussion auf eine sachliche Ebene zu bringen, ist gescheitert.“
• Kreislandwirt Johann Knabbe: „Viele Landwirte haben resigniert.“