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Pressefreiheit: Stader Kreisverwaltung kann vom Bundespräsidenten lernen

Geheimniskrämerei der Stader Kreisverwaltung um die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes - muss das sein?

(tk). Was ist der Unterschied zwischen dem Bundespräsidialamt in Berlin und der Führungsspitze der Verwaltung im Stader Kreishaus? Die einen haben kein Problem mit einer Vorabberichterstattung, die anderen möchten die Presse gerne ein wenig gängeln.

Die Ansage vom Ersten Kreisrat Eckhart Lantz ist unmissverständlich: Wenn sich das WOCHENBLATT nicht an Sperrfristen hält, die die Kreisverwaltung vorgibt, werde man über "andere Kommunikationswege nachdenken müssen." Es geht nicht etwa um große Politik, sondern um Ordensaushändigungen. Wenn Landrat Michael Roesberg einem verdienten Bürger das Bundesverdienstkreuz überreicht, soll nicht vorher berichtet werden. Etwa in einer Geschichte, die das Leben des Geehrten nachzeichnet, die Gründe seines ehrenamtliches Engagements zeigt.
Die Sperrfrist ist für Lantz von so großer Bedeutung, dass er die Stader WOCHENBLATT-Redaktion zur Ordnung ruft und auf Nachfrage noch einmal unterstreicht: "Eine Vorabberichterstattung ist sehr unglücklich. Die Aushändigung sollte im Fokus stehen." Seine Begründung: Die Geheimhaltung geschehe auf Wunsch des Bundespräsidialamts.
Wann welches Medium über die Verleihung eines Verdienstordens berichtet, ist dem Bundespräsidialamt allerdings egal. "Es gibt keine Anordnung oder Vergleichbares, dass nicht vorab berichtet werden darf", sagt Steffen Schulze, stellvertretender Sprecher von Bundespräsident Joachim Gauck.
Von Berlin kann Stade sogar lernen: Wenn der Bundespräsident zum Tag der Deutschen Einheit selbst die Orden aushändigt, werden die Namen der Geehrten vorab publik gemacht. Und Medien berichten darüber im Vorfeld. Der Grund ist logisch: "Die Leistung des Menschen steht im Mittelpunkt", sagt Sprecher Schulze.
Könnte es sein, dass in Stade neben dem Geehrten noch ein anderer Mensch im Mittelpunkt stehen soll? Nur bei einem offiziellen Termin, der von den Medien begleitet wird, kann sich Landrat Michael Roesberg in Szene setzen.