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Salafisten: Warum Jugendliche zu Hasspredigern pilgern

Eigener Youtube-Kanal und bestens medial vernetzt: Pierre Vogel ist einer der bekanntesten Hassperdiger in Deutschland. Nach Hamburg kommt er regelmäßig (Foto: Screenshot tk)
 

tk. Landkreis. "Salafisten liefern einfache Erklärungen und bieten klare Strukturen", erklärt ein Mitglied* einer muslimischen Gemeinde im Landkreis Stade die Faszination, die radikale Prediger auf junge Männer ausüben. Hinzu komme: Im Raum Hamburg seien Salafisten derzeit besonders aktiv, würden mit attraktiven Aktionen um neue Anhänger werben. "Das Angebot ist auch für Jugendliche aus unserer Region interessant. Die Leitfiguren der Szene haben eine 'coole Art', die bei jungen Menschen gut ankommt. Und sie liefern einfache Antworten auf schwierige Fragen des Lebens", sagt der Mann. Er kennt Heranwachsende, die regelmäßig Veranstaltungen mit dem prominenten deutschen Salafisten Pierre Vogel und anderen radikalen Predigern besuchen. Einfache Botschaften, klare Feindbilder, Wir-Gefühl und das Selbstbild der eigenen Überlegenheit gegenüber den sogenannten "Ungläubigen" - das mache die Faszination aus.

"Auch für uns ist das Hinwenden von Jugendlichen zum Salafismus ein Thema, das immer stärker an Bedeutung gewinnt", sagt ein Mitarbeiter aus der Jugendarbeit im Landkreis Stade. "Uns sind einige Personen bekannt, die sich offen oder verdeckt zum Salafismus bekennen", so der Mitarbeiter weiter.

Wie ist es möglich, dass diese radikale muslimische Strömung bei jungen Menschen plötzlich so beliebt ist? Unter anderem deshalb, weil radikale Gruppen extrem gut vernetzt und multimedial präsent sind. Und Salafisten sind dort, wo sie Jugendliche treffen. In Hamburg mit einem Infostand etwa von Geschäften. die bei jungen Menschen angesagt sind.
Pädagogen sind der Ansicht, dass es bei den meisten der Jugendlichen eher eine Art Protesthaltung gegenüber Elternhaus und Schule ist, ähnlich wie bei den Anhängern der rechten Szene. Sie schockieren, sie bekommen Aufmerksamkeit, sie grenzen sich ab. Andere wiederum seien sehr ernst zu nehmen in ihrer Hinwendung zu diesen Radikalen. Aber wie können die Unterschiede erkannt und ein "Abdriften" verhindert werden? Es gibt keine muslimischen Streetworker, die eine ernsthafte Radikalisierung rechtzeitig erkennen können.

Dr. Andreas Schwegel leitet die Präventionsstelle für politisch motivierte Kriminalität beim Landeskriminalamt (LKA) in Hannover. Er sagt: "Es muss immer eine Betrachtung im Gesamtzusammenhang geben. Wenn sich ein junger Mann anders kleidet, sich einen Bart wachen lässt, ist das noch kein Indiz für eine Radikalisierung". Wenn sich aber jemand aus seinem sozialen Umfeld entferne, sich Feindbilder entwickeln, sich das Gedankengut verändert, dann müsse man genauer hinschauen", so Schwegel weiter. "Salafisten haben es geschafft, sich als Jugendprotestkultur zu etablieren", so der Experte. Radikale Straßenprediger hätten derzeit einen echten "Coolness-Faktor". Schwegel: "Derzeit kann man die Gesellschaft am meisten damit erschrecken, dass man sich als Neonazi oder Salafist bekennt."

Stades Polizeisprecher Rainer Bohmbach erklärt, im Landkreis Stade seien derzeit keine radikalen, salafistischen Gruppierungen beheimatet. Man behalte die Szene aber im Blick.