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Soziale Kälte? Landrat Roesberg schlägt Alarm

Michael Roesberg (Foto: archiv)
bc. Stade. Die Unterbringung von unbegleiteten minderjährigen Asylbewerbern (UMA) wird für den Landkreis zunehmend problematisch. Zumindest dann, wenn sich die Proteststürme gegen geplante Einrichtungen - wie z.B. in Dornbusch und Kutenholz (das WOCHENBLATT berichtete) - ausweiten. Nach dem Motto: Flüchtlinge? Ja, aber nicht in meiner Nachbarschaft. Unabhängig von den Vorkommnissen in den beiden Dörfern möchte Landrat Michael Roesberg allgemein dieser Tendenz vorbeugen: „Unbegleitete ausländische Jugendliche benötigen unsere Hilfe.“
Weil ihm das Thema so wichtig ist, lud Roesberg am Donnerstag extra die Presse in sein Büro ein, um seinen Appell loszuwerden: „Ich mache mir ernsthafte Sorgen angesichts der Diskussionen und teils unmöglichen Äußerungen zur Unterbringung der unbegleiteten minderjährigen Ausländer im Landkreis. Ich habe da als Landrat eine klare Haltung: Wir müssen aufpassen, nicht in Kaltherzigkeit zu verfallen.“
Der Landkreis braucht dringend neue Einrichtungen, um die 67 Jugendlichen, die noch in der Stader Fröbelhalle leben, unterzubringen. Die Betriebserlaubnis für die Notunterkunft läuft im Mai 2018 aus. Eine weitere Genehmigung werde es laut Roesberg vom Landesjugendamt nicht geben. Der Kreis erhalte zudem ständig neue Zuweisungen von minderjährigen Flüchtlingen.
Zum Hintergrund: Der Hamburger Jugendhilfe-Anbieter „B+S Soziale Dienste“ kümmert sich im Auftrag des Landkreises um die elternlosen Jugendlichen, sucht selbstständig nach neuen Standorten und Grundstücken. Geht man davon aus, dass Unterkünfte neu gebaut werden müssen, sind mindestens zwei mit maximal 30 Plätzen erforderlich. In der Kürze der Zeit bis Mai 2018 werden Neubauten aber kaum realisierbar sein. Deshalb ist man u.a. auf Umnutzungen von Altbauten angewiesen. Parallel werden auch neue Pflegefamilien gesucht.
Roesberg betont in seinem Statement, dass die im Landkreis Stade aufgenommenen Jugendlichen weder Straftaten begangen hätten, noch sozial negativ auffällig seien: „Aber sie haben ohne ihre Eltern eine dramatische Flucht aus Krisengebieten hinter sich gebracht. Es wäre schlimm, wenn es jetzt heißt: Hilfe gerne, aber nicht in meiner Nachbarschaft. Da müssen alle anständigen Menschen dagegenhalten.“

130 elternlose minderjährige Flüchtlinge


(bc). Der Kreis Stade betreut derzeit insgesamt 130 unbegleitete minderjährige Ausländer. Dabei handelt es sich überwiegend um männliche Jugendliche im Alter von 15 bis 17 Jahren. Die Herkunftsländer sind überwiegend Afghanistan, Syrien, Irak und Guinea. Einzelne Jugendliche kommen aus dem Iran, Pakistan, Eritrea, Gambia und anderen Staaten Vorderasiens bzw. Afrikas. 119 unbegleitete minderjährige Ausländer sind nach Angaben der Kreisverwaltung in stationären Einrichtungen untergebracht, darunter 67 in der Fröbelhalle. 52 unbegleitete minderjährige Ausländer befinden sich bereits in stationären Anschlussmaßnahmen - überwiegend leben sie in Pflegefamilien, einige wenige auch bei Verwandten.