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Sozialethische Rehabilitierung der in Buxtehude verfolgten Hexen: Das ist eine rein symbolische Politik

Stadtarchivar Bernd Utermöhlen hat die historischen Grundlagen geliefert, die Gleichstellungsbeauftragte Gabi Schnackenberg hat daraus den Antrag auf sozialethische Rehabilitierung der in Buxtehude verfolgten Hexen formuliert (Foto: tk)
Der Rat soll die in Buxtehude verfolgten Hexen "sozialethisch rehabilitieren"

tk. Buxtehude. Am Vorabend des Weltfrauentags hat der Buxtehuder Kulturausschuss beschlossen, dass die in Buxtehude im 16. und 17. Jahrhundert verfolgten Hexen "sozialethisch rehabilitiert" werden sollen. Der Rat soll in einer Erklärung das den Frauen widerfahrene Unrecht anerkennen. 20 Frauen waren wegen Hexerei angeklagt, 15 von ihnen wurden hingerichtet. Außerdem soll es ein Mahnmal geben. Die Initiative dazu ging von der Gleichstellungsbeauftragten Gabi Schnackenberg aus.

Es wäre jetzt einfach zu fragen, ob Politik und Verwaltung nichts Wichtigeres zu tun haben. Oder ob sich die Gleichstellungsbeauftragte nicht besser um Themen wie gleiche Bezahlung für gleich Arbeit kümmern sollte. Einstimmig war der Ausschuss für diese Form der symbolischen Politik. "Gut und wichtig", sagte Ausschusschefin Christel Lemm (SPD).

Um diesen Beschluss kritisch zu hinterfragen, muss niemand bis ins 16. Jahrhundert zurückblicken: Es war der Kulturausschuss des vorvergangenen Rates, der vehement über das Erinnern an Buxtehudes einzigen Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime, Rudolf Welskopf, gestritten hat. Der Mann war Kommunist und lebte nach 1945 in Ostberlin. Da fiel einigen Politikern das Erinnern sehr, sehr schwer. Herausgekommen ist eine bescheidene Plastiktafel, die am unbelebten Stavenort ein sehr unauffälliges Dasein fristet.

Während der Welskopf-Debatte wurde immerhin angeregt, dass Buxtehude in der Nazizeit umfassend beleuchtet und dokumentiert werden müsste. Stadtarchivar Bernd Utermöhlen hat immer sehr viel Arbeit auf dem Tisch, sodass - eine Idee damals - eine Gruppe Studierender an die Arbeit gehen könnte. Es blieb bei dem Gedanken.

Bleiben wir zwischen 1933 und 1945. Der jüdische Friedhof im Neukloster Frost ist ein unübersehbarer Beleg für jüdisches Leben in Buxtehude. Die Stellen des Erinnerns dazu habe ich wohl bislang immer übersehen. In Stade gibt es zum Beispiel die "Stolpersteine" zum Erinnern.
Eine Skulptur für die verfolgten Hexen, die dazu noch in einen Kulturpfad eingebunden werden könnte, scheint dagegen unstrittig.

Völlig berechtigt waren am Montagabend die Einwände von Peter Schmidt und Beate Schleeßelmann (CDU), dass bei der gesamten Aufarbeitung der Hexen-Thematik die Kirche von Anfang an - und nicht erst später - mit ins Boot müsse. Auch wenn es der Rat war, der die Prozesse führte und die menschenverachtenden Urteile fällte. Die Wurzeln des Unrechts liegen auch in der Religion.
So bleibt für mich doch der Eindruck: Es gebe Wichtigeres zu tun, als am Vorabend des Weltfrauentags diese Form der symbolischen Politik zu betreiben.