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Stavenort: Der "Buxtehuder Schnoor" ist tot

Tristesse vor malerischer Kulisse: Der Stavenort in Buxtehude
 
Die Keramikerin Gerdi Lorenz hat 27 Jahre ihre Galerie "Stavenkunst" betrieben. Sie ist eine Kennerin des Buxtehuder Stavenorts und erklärt das Experiment der Kunsthandwerkermeile für gescheitert

tk. Buxtehude. "Weiter so", steht im Gästebuch der Galerie "Stavenkunst" zum einjährigen Geburtstag. Das war vor 27 Jahren. Wenn die Keramikerin Gerdi Lorenz spätestens Anfang Mai die Türen ihrer Galerie abschließt, ist im doppelten Sinn Schluss. "Weiter so" wird es nicht geben und was noch schwerer wiegt: Das, was der Stavenort vor 28 Jahren werden sollte, ist er nie geworden. Eines der schönsten Eckchen der Buxtehuder Altstadt ist seit vielen Jahre nichts als Tristesse vor malerischer Kulisse. Keiner weiß das besser als Gerdi Lorenz, die von Anfang an dabei war. Das "Experiment Stavenort" erklärt sie für gescheitert.

"Für mich war es hier prima, ich habe mich immer wohl gefühlt", sagt Gerdi Lorenz - um anschließend das Scheitern einer Idee zu erklären. Der Stavenort sollte ein Buxtehuder Schnoor werden. Das mittelalterliche Viertel in Bremen ist ein Touristenmagnet mit vielen Kunsthandwerkern. Bloß wollten Kunsthandwerker nicht in Scharen an die Este kommen. Der Buxtehuder Schnoor war keine Utopie von Spinnern, sondern ein offizielles Projekt der Stadt, erinnert Lorenz. Sie und andere hatten die damals sanierungsbedrftigern Immobilien unter Denkmalschutz von der Stadt gekauft. "An die Schnoor-Pläne erinnert sich schon lange keiner mehr", sagt Gerdi Lorenz.
"Von Anfang an wurden zu viele Fehler gemacht", konstatiert sie. So hätte das Gebäude mit der Tordurchfahrt im Erdgeschoss zwingend Gewerbe haben müssen. Als besonders negativ habe sich zudem der Neubau des Stadtarchivs entpuppt. "Geschlossene Fenster im Erdgeschoss machen den Stavenort nicht attraktiver."
Mit dem ehemaligen Café und dem bis vor wenige Jahre noch existierenden türkischen Restaurant habe es wenigstens noch Gastronomie gegeben. Beide Betriebe sind längst Geschichte.
An Ideen, wie der Stavenort zu beleben sei, habe es nicht gefehlt. Besonders die im vergangenen Jahr verstorbene Kulturamtsleiterin Sybille Bruns-Decker habe immer wieder etwas Neues probiert. Musiker und Gaukler am Samstagvormittag, Skulpturen als Kunst im öffentlichen Raum. Der Besucherandrang blieb aus.
Gerdi Lorenz hat den Eindruck gewonnen, dass das offizielle Buxtehude den Stavenort irgendwann abgehakt hat. Gemeinsam mit anderen wollte sie vor einigen Jahren - auf eigene Kosten - Platten mit Has' und Igel vom Rathaus zum Stavenort verlegen. Nur das Pflastern hätte die Stadt bezahlen müssen. Vom damaligen Stadtbaurat abgelehnt, sagt Lorenz.
Vielleicht, überlegt die Keramikerin, hat sich das historische Stavenort-Image - das Arme-Leute-Viertel der Stadt - in die Gegenwart übertragen? " Eine gute Idee, nämlich den Wochenmarkt auf den Stavenort zu verlegen, stieß bei den Marktbeschickern auf erbitterte Gegenwehr. "Dagegen wurden sogar Unterschriften gesammelt", sagt Lorenz.
Als vor mehr als zehn Jahren der Buxtehuder Stadtmarketing-Prozess als demokratische Bürgerbewegung startete, erlebte der Stavenort zumindest theoretisch eine Renaissance. Der Platz könnte komplett überdacht werden, war eine Idee. Utopie, die an den Kosten scheiterte. Was den Stellenwert des Stavenort in der Altstadt gut ausdrückt: Bürger beschwerten sich sogar darüber, dass das Glockenspiel nicht am Rathaus, sondern am Stadtarchiv hängt.
"Hier wird sich kein pralles Leben mehr entwickeln", zieht Gerdi Lorenz als Fazit ihrer 28 Jahre am Stavenort. Aus ihrer Galerie wird ein Büro werden. "Einen Kunsthandwerker finde ich als Mieter garantiert nicht." Der Stavenort bleibt vermutlich das malerische Stiefkind der Altstadt.