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Streit um Werbung für Schwangerschaftsabbruch: Der Weg zur Information muss leicht sein

Über Abtreibung nachzudenken, ist sehr belastend (Foto: DAK/Stock)
tk. Landkreis. "Das Thema ist in der politischen uind gesellschaftlichen Diskussion noch lange nicht abgeschlossen", sagt Ines Appel, Leiterin der Schwangerenberatung beim Diakonischen Werk der Kirchenkreise Hittfeld und Winsen. Es geht um die erneut aufgeflammte Debatte über Schwangerschaftsabbruch und das sogenannte Werbeverbot dafür. Kaum ist die "GroKo" im Amt, hat der neue Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bei diesem Thema mit markigen Worten für Schlagzeilen gesorgt. Flammt der Grundsatzstreit zwischen Abtreibungsgegner- und befürwortern jetzt wieder auf?

Darum geht es: Im November wurde die Gießener Frauenärztin  Kristina Hänel zu einer Geldstrafe von 6.000 Euro verurteilt, weil sie auf ihrer Homepage über Schwangerschaftsabbrüche informiert und darauf hingewiesen hatte, dass sie die Abbrüche auch vornehme. Das war ein Verstoß gegen Paragraph 219a, der Werbung für Schwangerschaftsabbrüche unter Strafe stellt.

"Wo fängt Werbung an und wo hört sie auf?", fragt Ines Appel. Für Betroffene sei es wichtig, sich zu informieren. Dazu gehöre auch die Frage, wer einen Schwangerschaftsabbruch vornehme. "Hier geht es ja nicht um Hochglanzbroschüren, die dafür werben", sagt Appel.
Eine Sichtweise, die Lothar Kleinschmidt, Leiter von "pro familia" in Stade teilt. Dort finden pro Jahr 200 bis 250 Beratungsgespräche statt. Für Frauen, die darüber nachdenken abzutreiben, sei die Situation schon schwierig genug. Daher müsse der Weg zur Information so leicht wie möglich sein. Und Information bedeutet für Kleinschmidt nicht nur, wo es die vorgeschriebene Beratung gibt, sondern auch, welche Kliniken oder Ärztinnen und Ärzte einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen.

Die Heftigkeit, mit der jetzt plötzlich die Debatte begann, habe ihn überrascht, sagt Kleinschmidt. Er habe gedacht, dass es zumindest einen Minimalkonsens in der Politik gebe.
"Für die Betroffenen ist es schrecklich, dass erneut wieder eine emotionale öffentliche Diskussion über das Für und Wider von Schwangerschaftsabbrüchen aufkommt", ergänzt Ines Appel.