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Traditionsschiffen droht Aus

Die Mitglieder des Vereins "Alter Hafen" sind besorgt: Gerd Becker (v.li), Horst-Jürgen Tofern und Klaus Nagel
bc. Stade. Wenn die geplante neue Sicherheitsverordnung für Traditionsschiffe tatsächlich umgesetzt wird, befürchten die zumeist ehrenamtlichen Besatzungen von historischen Schiffen landauf, landab das Schlimmste. „Dann finden wir nicht mehr genügend Freiwillige“, sagt Klaus Nagel, Zweiter Vorsitzender des Vereins „Alter Hafen“ in Stade, der das Museumsschiff „Greundiek“ betreibt, es in Schuss hält und regelmäßig Ausfahrten organisiert.
Um eine Lösung zu finden, ist in Kürze am 23. Mai ein von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) angeregtes Treffen mit Enak Ferlemann, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, und weiterem Fachpersonal in Berlin geplant. Auch ein Vereinsvertreter aus Stade wird dann vor Ort sein.
Die Zeit drängt: Noch im Mai soll die Verordnung von der EU beschlossen werden. Rund 100 Traditionsschiffe in Deutschland wären davon betroffen.
Der Hauptkritikpunkt an dem Entwurf aus Dobrindts Ministerium ist die Angleichung der Traditions- an die Berufsschifffahrt, die das Aus für viele Museumsschiffe bedeuten könnte - auch für die Greundiek, deren Sicherheitszeugnis nur noch bis 2019 gilt. Dann müssten die ehrenamtlichen Kapitäne und Maschinisten - also das Führungspersonal des fast 70 Jahre alten Küstenmotorschiffes - weitere Lehrgänge besuchen, bräuchten neue Gesundheitszeugnisse. „Wir sind alle zwischen 60 und 70 Jahre alt. Die Zeugnisse würden wir gar nicht mehr bekommen“, sagt Kapitän Horst-Jürgen Tofern. Mögliche Finanzhilfen vom Bund, um die Lehrgänge zu bezahlen, würden in dem Fall nichts bringen, „wenn wir keine Leute mehr haben“, so Tofern.
Darüber hinaus müssten gemäß der geplanten Verordnung Brandschutzbestimmungen eingehalten werden, die laut Verein auf der Greundiek so nicht umsetzbar wären. Und noch ein Beispiel: Die Länge der Ankerkette müsste angepasst werden - auf eine Länge, die auf der Greundiek nicht untergebracht werden könnte. Vereins-Kassenwart Gerd Becker plagen Sorgen: „Diese Verordnung stellt ein großes Kosten-Risiko dar.“
In der Vergangenheit gab es schon diverse Proteste gegen die Verordnung, zuletzt beim Hamburger Hafengeburtstag. Ferlemann: „Wir wollen die Traditionsschifffahrt nicht an die Kette legen, sondern ihre Zukunft langfristig sichern.“

Hier finden auch Trauungen statt


Die Greundiek liegt im Stader Stadthafen, kann von montags bis freitags von 10 bis 14 Uhr und auf Anfrage besichtigt werden. Das Küstenmotorschiff wurde 1949 gebaut, transportierte bis 1986 Waren zwischen Deutschland, England, Skandinavien und den Niederlanden hin und her. Seit 1994 befindet sich das Schiff im Besitz des Vereins „Alter Hafen“. Sechs bis sieben Jahre dauerten die Renovierungsarbeiten. Heute ist es für Gästefahrten bis zu 80 Personen zugelassen. Auf dem Schiff können u.a. auch standesamtliche Trauungen stattfinden.