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Trotz Wohnungsnot in Buxtehude: Stadt bremst Bauherrn aus

Helmut Hinrichs (re.) und sein Schwiegersohn Gandolf Möller wollten auf dem Garagengrundstück neben dem Buxtehuder Elbe Klinikum ein Mehrfamilienhaus bauen
 
Wohnen statt Garagen - das war der Plan (Foto: tk)
tk. Buxtehude. In Buxtehude herrscht akuter Wohnungsmangel. Außerdem verfolgt die Stadt ehrgeizige Klimaschutzziele. Dazu zählt auch weniger Mobilität mit dem Auto. Dennoch lehnt die Stadtverwaltung den Bau eines Mehrfamilienhauses in der Nähe des Krankenhauses ab. Unter anderem mit der Begründung, dass diese Fläche, auf der Garagen stehen, im Bebauungsplan fürs Parken gedacht sei und rund um die Drosselgasse "akuter Parkdruck" herrsche. "Das ist für uns eine vollkommen unverständliche Begründung", sagen Helmut Hinrichs und sein Schwiegersohn Gandolf Möller, die dort ein Zehnfamilienhaus hätten bauen wollen.

Termin vor Ort mit den beiden potentiellen Bauherren: "Das Grundstück gehört der Familie seit Jahrzehnten", sagt Helmut Hinrichs. Die zwölf Garagen, die Mitte der 1960er-Jahre errichtet wurden, sind kein Hingucker mehr. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite stehen ausschließlich mehrgeschossige Mietshäuser. "Unser Projekt hätte hier gut hingepasst", so Gandolf Möller.

In einem Schreiben begründet die Stadtverwaltung ihr Nein zu dem Projekt damit, dass schon jetzt Parkflächen fehlen sei. Möller und Hinrichs haben daher eine Woche lang Menschen befragt, die auf der gegenüberliegenden Seite des Grundstücks parkten. Rund zwei Drittel der Befragten wollten zum Krankenhaus. Vielen war die Parkgebühr zu hoch oder der Weg von den Bezahlparkplätzen in die Klinik zu weit. "Das haben wir nicht zu verantworten und das ist auch nicht unser Problem", sagt Helmut Hinrichs. Denn: Das Grundstück ist nicht einmal ein öffentlicher Parkplatz.

Hinzu kommt: Die Garagenplätze wären durch Stellflächen auf dem Grundstück ersetzt worden. Und pro Wohnung seien 1,5 Stellplätze in einer Tiefgarage vorgesehen gewesen. Diesen Stellplatzschlüssel wendet die Stadt bei der Genehmigung von Neubauprojekten bislang immer an.

Dass das Verfahren zu Änderung des B-Plans von den Investoren hätte bezahlt werden müssen, sei ihnen auch klar, so Hinrichs. Was ihn ärgert: Es habe nur ein kategorisches Nein und keinen Kompromissvorschlag aus der Stadtverwaltung gegeben.

Für den Ersten Stadtrat Michael Nyveld gibt es an dem Nein nichts zu deuten oder zu kritisieren. Im B-Plan seien Flächen für Garagen eingezeichnet und das sei bindend. Ein Verfahren zur B-Planänderung komme für die Stadt auch nicht in Frage. Bei der Innenverdichtung gebe es ganz klar andere Prioritäten für Bauvorhaben auf städtischen Flächen und denen von anderen Investoren.

Die Bauvoranfrage für die Drosselgasse wurde "sauber durchgearbeitet", sagt Nyveld. Die Politik habe davon keine Kenntnis, denn es handele sich um ein Geschäft der laufenden Verwaltung. In einigen Jahren, so Nyveld, wenn andere Projekte abgearbeitet seien, könne es die Chance geben, dass auch an der Drosselgasse gebaut werden dürfe.

"Ob ich dann noch Lust habe?", fragt sich Helmut Hinrichs. Spannend ist für ihn eine bislang nur theoretische Frage. Was würde passieren, wenn nicht er als Privater, sondern ein großes Bauunternehmen dort ein Mehrfamilienhaus errichten wollte. "Die Anfrage eines Investoren hatte ich schon", sagt Hinrichs.