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Unterkunft für Flüchtlinge in Buxtehude: Zu teuer, aber alternativlos

Gute Lage, guter Zustand, sagen Politiker über das Objekt - dennoch finden sie die Miete zu hoch (Foto: ab)

tk. Buxtehude. "Das hat Schnappatmung verursacht", sagt eine Ratspolitikerin aus Buxtehude. Ein anderes Ratsmitglied sieht "dringenden Diskussionsbedarf". Was zu Atemproblemen und Redebedürfnis führt, ist der Quadratmeterpreis für die Flüchtlingsunterkünfte an der Bebelstraße: Der beträgt nach WOCHENBLATT-Informationen neun Euro kalt pro Quadratmeter. Einhellige Meinung in der Politik: "Das ist zu viel." Übereinstimmende Ansicht ist außerdem: Die Stadt hat gegenwärtig keine Alternative.

Der Hintergrund: Die Zahl der Flüchtlinge, die nach Buxtehude kommt, wird - wie in allen Städten und Gemeinden - wachsen. Die Häuser am Melkerstieg, die derzeit saniert werden, reichen nicht aus. Bis November müssen aber 63 Menschen eine Bleibe haben.

Freie Wohnungen sind in Buxtehude ohnehin ein knappes Gut. Daher hat die Verwaltung in einer Eilentscheidung den Mietvertrag für 24 Zimmer, vier Küchen, acht Toiletten und 16 Kellerräume an der Bebelstraße abgeschlossen. Die Politik wurde darüber informiert. "Alternativlos" sei diese Entscheidung gewesen, so ein Verwaltungs-Insider.

Die Lage sei gut und die Substanz des Gebäudes, das früher zum Kasernengebiet gehörte, ebenfalls, räumt ein Buxtehuder Ratsmitglied ein. Zudem werde der Vermieter einige Dinge wie Küchen und Bäder sanieren. Gleichwohl bleibt bei vielen Politikern und Verwaltungsmitarbeitern angesichts der neun Euro Kaltmiete pro Quadratmeter, im Monat sind das rund 6.000 Euro, ein ungutes Gefühl. Das Geld überweist der Landkreis. Steuermittel sind es trotzdem.

Zum Vergleich: Für eine Zweizimmer-Wohnung Baujahr 2012 der Buxtehuder Wohnungsbaugesossenschaft, mit hervorragender Ausstattung wie Fußbodenheizung und Entlüftungssystem liegt die Kaltmiete bei 7,80 pro Quadratmeter. Ein Immobilenexperte geht bei den Topwohnungen in Spitzenlage - etwa am Hafen - von einer Kaltmiete zwischen neun und etwas mehr als zehn Euro aus.

"Was will man machen", fragt ein Ratsmitglied schon fast resigniert. Weil die Bebelstraße erst der Anfang der Suche nach Flüchtlingsunterkünften ist, wird die Diskussion in den kommenden Monaten an Fahrt aufnehmen. Bereits jetzt wird darüber nachgedacht, ob Wohncontainer die bessere Alternative sind. Vor gut 15 Jahren standen ähnliche Unterkünfte bei Heitmannshausen.

Ein Mitglied der CDU-Fraktion sieht in der hohen Miete für die Bebelstraße ein Problem mit Sprengkraft: "Das kann zu sozialem Unfrieden führen." Nicht etwa, weil Flüchtlinge in Buxtehude nicht willkommen seien, sondern weil bezahlbarer und guter Wohnraum in der Estestadt für viele Menschen ein knappes Gut geworden ist. Jetzt handeln und aktiv nach bezahlbaren Standorten suchen, das ist Konsens in der Buxtehuder Politik.