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Weils Ein-Stimmen-Mehrheit im Landtag ist dahin: Elke Twesten wechselt von den Grünen zur CDU

Elke Twesten, Landtagsabgeordnete aus dem Kreis Rotenburg, ist von den Grünen zur CDU gewechselt und hat damit der Ein-Stimmen-Mehrheit von Ministerpräsident Stephan Weil den Garaus gemacht (Foto: archiv)
tk. Landkreis. Politisches Erdbeben in Niedersachsen: Die grüne Landtagsabgeordnete Elke Twesten aus dem Nachbarlandkreis Rotenburg hat ihre Fraktion verlassen und sich der CDU-Fraktion angeschlossen. Damit ist die Ein-Stimmen-Mehrheit der rot-grünen Landesregierung von Ministerpräsident Weil fünf Monate vor der Landtagswahl dahin.

Twesten sieht sich nicht "als Verräterin", erklärte sie am Freitagmittag der Presse. Sie hätte sich vielleicht schon früher der CDU anschließen sollen. Sie habe schließlich immer für eine grün-schwarze Zusammenarbeit gekämpft. Twesten will ihr Mandat in Hannover nicht - wie von der grünen Fraktion gefordert - zurückgeben.

Bernd Althusmann, Spitzenkandidat der CDU, sieht angesichts der verlorenen rot-grünen Mehrheit den Ball im Spielfeld von Ministerpräsident Weil. Die Führung der CDU-Landtagsfraktion will in den kommenden Tagen aber Gespräche mit dem Präsidium des Landtags führen.

Grüne Politiker aus den Kreisen Stade und Rotenburg dürften einmal mehr überrascht von Elke Twesten sein. Sie ist für unerwartete Manöver bekannt, besonders dann, wenn es um Ämter und Posten geht.

So wurde Twesten im Juni nicht mehr von ihrem eigenen Rotenburger Kreisverband für den Landtag aufs Schild gehoben. Das kam für die Grüne, die in Scheeßel lebt, nicht überraschend.

Spätestens seit sie im April 2014 ohne Vorwarnung an die eigene Partei im Kreis Rotenburg als Landratskandidatin im Kreis Stade antrat, zog sich zwischen ihr und den meisten Grünen in Rotenburg ein tiefer Graben. Noch im April 2014 hatte sie im WOCHENBLATT aufgrund der aufkommenden Gerüchte gesagt, dass sie eine solche Kandidatur nicht in Erwägung ziehe. Twestens saloppe Begründung für die Kehrtwende einen Monat später: Wenn zwei Männer kandidieren, müsse auch eine Frau antreten. Sie war chancenlos.

Zuvor war ihre Bewerbung als Landratskandidatin der Grünen im Kreis Rotenburg erfolglos. Grüne, SPD und Freie Wähler hatten sich damals auf den Superintendenten Hans-Peter Daub geeinigt. Eine Entscheidung, die Elke Twesten bis zum Schluss nicht akzeptierte und ihre Bewerbung aufrecht erhielt. Grüne Politiker mutmaßten nach der Stader Bewerbung, Twesten suche einen Versorgungsposten, weil es schon zu der Zeit als ausgesprochen unwahrscheinlich galt, dass sie erneut ein Ticket für Hannover bekommt.

Twestens Karriere im Landtag in Hannover ist auch mit der Hinwendung zur CDU vorbei. Die Listen der Christdemokraten sind geschlossen, es gibt keinen Platz mehr für die Ex-Grüne. Bleibt abzuwarten, auf welchem Polit-Posten die Öffentlichkeit Elke Twesten im kommenden Jahr sehen wird. Sie könnte auch, wie jeder andere Arbeitnehmer, der in die Politik geht, in ihren Job zurück. Twesten hat bei der Oberfinanzdirektion in Hamburg gearbeitet. Einmal zumindest hat sich die Ex-Grüne, die in der Landespolitik kaum noch eine Rolle gespielt hat, ins politische Rampenlicht katapultiert. Es könnte der letzte große Auftritt gewesen sein.

So reagiert Ruth Alpers, Grünen-Politikerin aus Hollenstedt, auf Twestens Entscheidung: "Ich bin fassungslos und enttäuscht, ich kenne Elke schon lange. Es geht in der Politik um Inhalte und nicht um Machtspielchen! Und wer hat sich nicht schon über seine Partei geärgert oder ist enttäuscht nur die anderen Parteien sind nicht besser! Es ist nicht angenehm, wenn die Partei einen austauscht, aber auch das ist Politik und so haben auch wir angefangen. Deshalb halte ich einen Parteiwechsel unter Mitnahme des Mandats für extrem selbstsüchtig. Auch wenn man seinen "angestammten" Platz verliert gibt es bei den Grünen genügend andere Möglichkeiten um gute und wirkungsvolle Umweltpolitik zu machen."