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Welterbe? Ja, nein, weiß nicht

Ob und wann das Alte Land jemals auf die Liste der UNESCO rutschen wird, ist derzeit noch nicht abzusehen. (Foto: MSR)
bc. Jork. Wie steht die Altländer Politik zum Welterbe? Eine Frage, die auch nach der Sitzung des Jorker Kulturausschusses nicht klar geworden ist. Fakt ist: Zu einem geschlossenen „Ja, wir wollen UNESCO-Weltkulturerbe werden“ konnten sich die Fraktionen nicht durchringen. Stattdessen ist die Unsicherheit groß. Steht die Region nach der ersten Bewerbungs-Pleite (das WOCHENBLATT berichtete) überhaupt hinter einem weiteren Anlauf? Vor allem: Was kostet das alles?
Obwohl Matthias Riel, Gemeindekämmerer und Sprecher der interkommunalen Arbeitsgruppe Welterbe, inständig für ein überzeugendes Bekenntnis des Rates warb, vertagte die Politik eine Entscheidung in die nächste Ratsversammlung am Dienstag, 20. Juni. Riel: „Wenn wir uns weiter bewerben wollen, müssen wir bereit sein, in Vorleistung zu treten und zu investieren.“ Da gehe es um externe Fachberatung, aber auch um den Aufbau einer sogenannten Holler-Route. Von grob geschätzten 40.000 Euro pro Jahr ist die Rede. Die Summe kann variieren. Jorks Bürgermeister Gerd Hubert (Bürgerverein) betonte: „Wir dürfen eine Welterbe-Bewerbung nicht nur unter finanziellen Gesichtspunkten betrachten.“ Selbst wenn nicht klar sei, ob man jemals das Ziel erreichen werde.
CDU-Fraktionschef Michael Eble ist einer der Bedenkenträger: „Es macht nur Sinn, sich weiter zu bewerben, wenn die Region dahinter steht.“ Auch die SPD hatte Zweifel aufgrund der „hohen Summen“. Der Bürgerverein konnte sich gar nicht äußern, weil er sich mit dem Thema nicht befasst hatte. Fürsprecher waren FDP und Grüne. Harm-Paul Schorpp (Grüne): „Wir dürfen nicht auf der Zielgeraden aufgeben.“ FDP-Frau Silvia Hotopp-Prigge meinte: „Wir müssen die Chance am Schopfe packen. Das Land unterstützt uns. Wir haben aber keine Chance, wenn wir die Bewerbung weiter zerreden.“
Dabei geht es nicht nur ums Welterbe. Das Welterbe ist nur ein Baustein. Das wurde nach dem Vortrag von Jörg Quast deutlich, der als Koordinator für den Sondergebietsstatus des Obstbaus derzeit an einem Regionalmanagement für das Alte Land arbeitet - ein wichtiger Bestandteil in einem Welterbe-Prozess, der Synergien mit kommunalen Entwicklungsplanungen erzeugen kann. Noch ist dieses Projekt, das in diesem Sommer beginnen soll, allerdings in erster Linie ein Gebietsmanagement aus Obstbausicht. Zuallererst gehe es dem Obstbau darum, seine Probleme zu lösen, danach könne die Kommune an vorhandene Strukturen andocken und zur Finanzierung eines Regionalmanagers beitragen, so Quast. Matthias Riel: „Wenn das so kommt, ist das ein Angebot des Obstbaus an die Region. Wir können eine gemeinsame Raumplanung machen. Das Welterbe wäre dann das i-Tüpfelchen.“
Kerstin Hintz, Vorsitzende des Welterbe-Vereins, beobachtete die Sitzung aus dem Zuschauerraum. Sie hätte sich gewünscht, dass sich die Politik mehr für die konkrete Ausgestaltung des Regionalmanagements interessiert hätte. Zudem äußerte sie gegenüber dem WOCHENBLATT Unverständnis für die Haltung der CDU, die sich zum einen die Erhaltung der Kulturlandschaft im Wahlprogramm auf die Fahne geschrieben habe, jetzt aber zögerlich agiere.
• Das Thema Welterbe steht am Di., 6. Juni, auch im Kulturausschuss der Samtgemeinde Lühe auf der Tagesordnung (19 Uhr, Rathaussaal).