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"Ich habe das Monster besiegt"

Kay Giese erschöpft im Nirgendwo (Foto: oh)
bc. Buxtehude. Dieser Mann hat Spaß daran, seinen Körper zu quälen. Kay Giese (43) aus Buxtehude hat am vergangenen Wochenende den Hexenstieg-Ultralauf im Harz erfolgreich absolviert - oder soll man lieber "überstanden" sagen? "Ich habe das Monster besiegt", sagt der Extremsportler. Unglaubliche 219 Kilometer nonstop, 4.500 Höhenmeter, 45 Stunden und 58 Minuten hat Kay Giese für diese Wahnsinnsdistanz gebraucht. Nur 28 der 53 Teilnehmer kamen ins Ziel.

Laut Veranstalter ist der Hexenstieg der "brutalste" Ultralauf Deutschlands. Die Strecke führt von Osterode über Clausthal-Zellerfeld auf den Brocken hinauf, weiter über Rübeland und Treseburg bis zum Wendepunkt nach Thale, zurück über Hasselfelde, Königshütte, Torfhaus und Wolfswarte bis nach Osterode.

Der Startschuss fiel Freitagfrüh um 6 Uhr. Mit im Gepäck: Decke, Navi, Regenkleidung, Trinkrucksack und Notverpflegung. Schon nach 60 Kilometern stieß Giese erstmals an seine Grenzen: "Ich war körperlich am Ende. Schließlich hat der Brockenaufstieg schon mehr als 1.100 Höhenmeter."

Doch es musste weitergehen. "Ich wollte unbedingt mein Trauma aus dem vergangenen Jahr überwinden." Damals musste Giese den Hexenstieg-Ultra aus gesundheitlichen Gründen bei Kilometer 70 beenden.

Selten führte die Strecke über normale Wege. Baumwurzeln, Felssteine und meterhohe Brennnesseln standen den Läufern im Weg. Ab Kilometer 180 wurde es richtig schlimm. "Ich musste meine Füße mit Verband umwickeln, weil die Blasen schon fast bis aufs Fleisch blutig gelaufen waren und unendlich weh taten", erzählt Giese. Auch in seinen Knien und Beinen plagten ihn stechende Schmerzen. Zudem fing es an, in Strömen zu regnen. Seine Kräfte schwanden zunehmend. Für die letzten 20 Kilometer brauchte der Buxtehuder Dauerläufer gute 6,5 Stunden. Dann war es vollbracht, zwei Stunden vor Zielschluss: "Es war unglaublich, zwei Tage und Nächte komplett mit Rucksackgepäck zu laufen. Ein tolles Gefühl."

Seine nächste Herausforderung: In sechs Wochen findet die "Tortour de Ruhr" statt, ein 230 Kilometer langer Lauf auf dem Ruhrtalweg. Dieser Mann kriegt nicht genug.