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"Ich will das Monster besiegen"

In Vorbereitung auf den 100-Meilen-Lauf in Berlin absolvierte Kai Giese einen 80 Kilometer langen Querfeldein-Lauf, den "Süntel-Trail" (Foto: oh)
bc. Buxtehude. Was mutet dieser Mann seinem Körper zu! Kai Giese (42) läuft und läuft und läuft. Bis die Socken qualmen. Bis die Zunge am Boden hängt. Bis zur völligen Erschöpfung. Und manchmal auch gegen jeglichen ärztlichen Rat. Ein Marathon ist für den Extremsportler aus Buxtehude nur Warm-up. Zehn bis 15 Marathonläufe absolviert er pro Jahr. Doch Kai Giese will immer mehr: "Ich will sehen, wie weit ich gehen kann. Ich will ständig meinen inneren Schweinehund überwinden."

Dazu hat er demnächst einige Gelegenheiten. Am 17. August startet der 42-Jährige zum zweiten Mal beim 100-Meilen-Lauf in Berlin - gute 161 Kilometer auf dem ehemaligen Patrouillenweg rund um West-Berlin. "Berlin ist mein Wohnzimmer. Da fühle ich mich wohl", sagt der Dauerläufer.

Die absolute Herkules-Aufgabe wartet im kommenden Jahr auf ihn: die "TorTour de Ruhr" - der längste Nonstop-Ultramarathon Deutschlands. 230 Kilometer auf dem Ruhrtal-Radweg. Maximal 38 Stunden haben die Teilnehmer Zeit, ins Ziel zu kommen. Untrainierte können angesichts solcher Wegstrecken nur mit dem Kopf schütteln. Kai Giese sieht das anders: "Ich kann bei diesen Läufen wunderbar abschalten und auch Probleme lösen. Man darf unterwegs aber nicht auf die Kilometer schauen." Seine Taktik: von einem Verpflegungspunkt zum nächsten hangeln.

Nur sechs Wochen vor der "TorTour de Ruhr" will Kai Giese ein tiefsitzendes Trauma überwinden. Im April dieses Jahres gab er erstmals in seiner neunjährigen Läuferkarriere auf. Den 216 Kilometer langen Hexenstieg-Ultra quer durch den Harz musste er aus gesundheitlichen Gründen bei Kilometer 70 beenden: "Es ging einfach nicht mehr. Ich war umgeknickt. Aber im nächsten Jahr will ich das Monster besiegen." Wahnsinnige 4.500 Höhenmeter sind beim Hexenstieg Ultra zu absolvieren, querfeldein durch meterhohe Brennnesseln. Mediziner würden wahrscheinlich dringend von einem solchen Leidensweg abraten. Aber Kai Giese hat kein Mitleid mit seinem Körper.

Vielleicht auch ein Grund, weshalb er schon gar keinen Marathon mehr erwähnt, wenn man mit ihm über seine sportlichen Höchstleistungen schnackt. Dabei hat er vor jedem Lauf Respekt. Kai Giese geht es in erster Linie immer ums "Finishen" - nicht um die Zeit. "Ich bin zufrieden, wenn ich bei einem Marathon unter vier Stunden bleibe", sagt er.

Doch bei Kai Giese ist Marathon nicht gleich Marathon. Ein erhöhter Schwierigkeitsgrad darf es gerne sein. Nur zwei Beispiele: der Brocken-Marathon mit 1.127 Höhenmetern oder der Untertage-Marathon in Sondershausen - 700 Meter unter der Erdoberfläche.

Das nächste Jahr wird ein besonderes für Kai Giese. Es ist sein zehnjähriges Jubiläum als Langstrecken-Läufer. Mal sehen, welche verrückten Läufe ihm noch einfallen.