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Nach Pokal-Auslosung - D/A-Fans hoffen: "Lasst die Partie in Drochtersen"

D/A-Boss Rigo Gooßen überglücklich (Foto: Screenshot ARD)
D/A im Pokal gegen Bayern / Fans hoffen: Bitte kein Umzug nach Hamburg


bc. Drochtersen. Die Regionalliga-Fußballer der SV Drochtersen/Assel empfangen in der ersten Runde des DFB-Pokals den FC Bayern München. Ein Traumlos für jeden Amateur-Kicker. Besser geht es gar nicht. Müller, Hummels, Lewandowski: Alles extrem klangvolle Namen im Welt-Fußball, die im Kehdinger Stadion auflaufen werden - wenn denn überhaupt in Drochtersen gespielt wird.

Die Entscheidung hängt in erster Linie von einer möglichen TV-Übertragung ab. Wird die Partie im Fernsehen übertragen, dürfte die Begegnung am Montagabend, 20. August, stattfinden und dann dürfte so gut wie ausgeschlossen sein, dass die D/A-Kicker in ihrem Wohnzimmer antreten können. Grund: Das Flutlicht ist zu schwach.

Müsste D/A allerdings nach Hamburg umziehen, würde der Adrenalinpegel bei den Fans schnell wieder abstürzen. Ein "Auswärtsspiel" im großen Millerntor-Stadion könnte nie so ein Flair erzeugen wie ein Pokalknüller in Drochtersen. Mit all dem, was dazu gehört. Wenn z.B. der stets hip gestylte Jerome Boateng an der Bude von Kalle die legendäre Kehdinger Bratwurst verputzen sollte.

Die Erinnerungen an die knappe 0:1-Pokalniederlage vor 7.000 Fans gegen Gladbach im heimischen Stadion sind noch frisch. Was für eine Wahnsinns-Stimmung damals vor zwei Jahren! Gegen Bayern dürfte das Volksfest weit größere Züge annehmen.
Unabhängig von der Frage, ob D/A in Hamburg möglicherweise ein paar Euros mehr einnehmen könnte - was nicht gesichert ist - sollten alle echten Fans beten: "Lasst die Partie in Drochtersen!"

D/A-Präsident Rigo Gooßen konnte bei seinem Besuch im "Sportschau-Club" der ARD sein Glück kaum fassen. "Das ist der absolute Hammer! Ein Küsschen nach unten", rief Gooßen der Losfee zu. "Ich hatte zuvor noch gedacht, das kann doch gar nicht klappen mit den Bayern. Wir wollten in die zweite Runde, das könnte jetzt nicht ganz so leicht werden", schmunzelte Gooßen. Gespielt wird die erste Hauptrunde von Donnerstag bis Sonntag, 17. bis 20. August, eine Woche vor dem Bundesligastart.

Im proppevollen D/A-Vereinsheim herrschte bei der Auslosung Ausnahmezustand. Die Emotionen kochten über, als Schauspielerin Palina Rojinski den Deutschen Rekordmeister aus dem Topf zog. Der Jubel lautstark. Die Begeisterung riesig. Präsident Rigo Gooßen erinnerte an das „Spiel des Lebens“ vor zwei Jahren, als seine Crew in der ersten Runde auf Gladbach traf - und vor mehr als 7.000 Fans nur 0:1 verlor.

Glücklich ist auch der neue Trainer Lars Uder, der in Drochtersen Enrico Maaßen ablöst: „Das ist überragend. Ein Kindheitstraum.“ Innenverteidiger Nico Mau spricht von einem Riesenlos. Jeder Fußballer träumt davon, gegen solch einen großen Gegner zu spielen.“ Flügelflitzer Jannes Elfers: "Seit ich fünf Jahre alt bin, wollte ich die Bayern einmal live erleben.“

Die Vorfreude bei D/A auf den Rekordcup-Sieger ist groß, doch das Stadion zu klein. Deshalb erwägt der Viertligist und Landes-Pokal-Gewinner auch einen möglichen Umzug ans Hamburger Millerntor – Heimspielstätte des Zweitligisten FC St. Pauli. Eine Arena, an die die Münchner keine guten Erinnerungen haben. Der legendäre 2:1-Erfolg der "Weltpokalsiegerbesieger" 2002 an gleicher Stelle ist unvergessen. Die kleine D/A-Arena bietet lediglich 3.000 Besuchern Platz. Dank Zusatztribünen konnten gegen Gladbach 7.000 Zuschauer die Partie verfolgen.

Doch mit zusätzlichen Kapazitäten in dieser Größenordnung wäre es für ein Gastspiel der Bayern an der Niederelbe nicht getan. "Aus Sicherheitsgründen sind unsere Erweiterungsmöglichkeiten begrenzt. Und eine Nachrüstung unseres Flutlichts kommt nicht in Frage, das würde zu teuer werden", so Gooßen. „Klar ist, am liebsten würden wir auch gegen die großen Bayern in unserem Wohnzimmer-Stadion bleiben.“

Wenn es aber ein TV-Spiel am Montag wird, müsste D/A wegen des Flutlichts umziehen. Das hieße: mehr Einnahmen, aber auch weniger Flair. Bei einem Umzug müsse man aber auch bedenken, dass so etwas eine Menge Stadionmiete kosten würde, so der Präsident. Allerdings: Weil der Rekordmeister am folgenden Freitag die Bundesliga eröffnet, ist wohl eher von einem Pokal-Kracher am Wochenende auszugehen. Gooßen: „Alles ist offen.“

Sofort nach der Ziehung trafen die ersten Kartenbestellungen ein. Und nehmen kein Ende. Tausende wollen sich registrieren lassen, bringen „Argumente“ ins Spiel, warum die Karten gerade für sie so wichtig seien: Die Oma will einmal die Bayern sehen. Das Enkelkind ist glühender Anhänger. Wünsche von bis zu 20 Tickets. Der Preis spielt keine Rolle. Dabei dauere es noch mindestens vier Wochen, bis Karten in den Verkauf kommen, erklärt Vorstands-Mitglied Lars Behrmann. An diesem Freitag stehe ein Meeting in Frankfurt mit dem DFB und den beteiligten Amateurvereinen statt. Dann werden Fragen geklärt, wo, wann und wie. Auch gibt es noch einen Workshop. Wenn alle Details geklärt worden sind, dann kommt die Entscheidung.“ Sollte alles für Drochtersen passen, werde D/A wieder Kontakt mit einer Firma aus Süddeutschland aufnehmen, die das Gladbach-Spiel mit Gerüsten ausgestattet habe.

Viele Anfragen gibt es auch aus München. Verbunden mit der Frage, ob Drochtersen einen Flughafen vorweisen könne. Können die Kehdinger nicht: Die Borussen landeten einst in Nordholz.

Die erste Reaktion aus München ließ nicht lange auf sich warten. Sportdirektor Hasan Salihamidzic twitterte: "Auftakt im DFB-Pokal gegen den SV Drochtersen/Assel. Ich freue mich jetzt schon wieder auf den Saisonauftakt."