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"Steini" scheint endlich angekommen zu sein

Auf dem Feld emotional, als Sozialassistent im Kindergarten fürsorglich: Jürgen Steinscherer
 
Jürgen Steinscherer ist beim VfL Fredenbeck der Top-Torjäger. Er sagt: "Die Region braucht einen Zweitligisten im Herrenbereich." Fotos: bc/ig
bc. Fredenbeck. „Steini“ - so nennen ihn seine Team-Kameraden beim VfL Fredenbeck - scheint endgültig da angekommen zu sein, wo er immer hin wollte: im Norden Deutschlands, seiner sportlichen Wahlheimat, wo der Handball mehr als anderswo in Europa gelebt wird.
Jürgen Steinscherer (31) spielt seine vierte Saison für den VfL in der 3. Liga. Keiner wirft aktuell mehr Tore als er. Vor dem letzten Heimspiel des Jahres am heutigen Sonnabend (19.30 Uhr) gegen den TSV Altenholz sprach das WOCHENBLATT mit dem Torjäger aus der Steiermark. „Ich spiele gerne vor vielen Zuschauern. Deswegen liebe ich Fredenbeck. Ich kannte die Halle schon früher zu alten Bundesliga-Zeiten aus dem Fernsehen.“
Seit diesem Jahr wohnt Jürgen Steinscherer auch in Fredenbeck, wenige Minuten fußläufig von der Geestlandhalle entfernt. Die Familie in der österreichischen Heimat ist weit weg, aber er hat ja die große Handball-Familie VfL. „Egal, wo ich in Fredenbeck bin, ich werde oft auf Handball angesprochen“, erzählt „Steini“.
Ganz anders ist das in seinem Job. Als Sozialassistent arbeitet er im Kinderhaus der Lebenshilfe Stade in Ottenbeck: „Hier ist Handball eigentlich kein großes Thema.“ Jürgen Steinscherer kümmert sich um Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren - einer von wenigen Männern, die diesen Job ausüben. „Manchmal erzählen mir Kinder am Montag, dass sie mich in der Zeitung gesehen haben. Dann fängt die Woche natürlich schon schön an.“
Auf dem Feld ein explosiver, mitunter sehr emotionaler Typ („Ich versuche, Verantwortung zu übernehmen, den jungen Spielern Sicherheit
zu geben“), im Kindergarten fürsorglich und umsichtig. Das passt sehr gut zusammen. Er strebt eine zweijährige Zusatzausbildung zum Erzieher an. Wenn möglich, hier in der Region.
„Steini“ mag die Natur in Fredenbeck, das viele Grün, auch wenn die Berge fehlen. Der Handball-Zirkus hat den 70-fachen Junioren-Nationalspieler zuvor schon viele Stationen sehen lassen. Graz, Hochdorf, Pirna, Hildesheim, Münden. Nirgendwo blieb der Linksaußen solange wie jetzt in Fredenbeck, wo er einen Vertrag bis 2019 besitzt. „Ich kann mir vorstellen, noch länger zu bleiben. Mein erster Ansprechpartner ist immer der VfL.“ Hier hat er sogar seinen eigenen Fanclub: die „Jürgen Ultras“.
Seine Freunde in der Steiermark prophezeiten ihm schon zu Jugendzeiten eine sportliche Laufbahn im Mutterland des Handballs. „Ich war wirklich handball-verrückt“, erzählt Jürgen Steinscherer. Eines seiner großen Vorbilder: Magnus Wislander vom THW Kiel. Sofern es der Terminplan zulässt, schaut er als Fan in der Kieler Ostseehalle vorbei, Deutschlands Handball-Kathedrale schlechthin.
Vor einer ähnlichen Kulisse wird er mit seinem Team am 2. Weihnachtsfeiertag in der Hamburger Barclaycard-Arena spielen. Knapp 10.000 Zuschauer werden dann wohl die Drittliga-Partie beim HSV verfolgen. Weltrekord! „Steini“:
„Das ist das Maximum. Mehr geht einfach nicht.“
• Erfreuliche Nachricht vom VfL Fredenbeck: Maximilian Lens und Ole Richter haben ihre Verträge jeweils um zwei Jahre bis 2020 verlängert.