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Wettverbot für die Fußball-Oberliga?

Mit Wetten lässt sich viel Geld verdienen
(bc). Wettskandal im Amateur-Fußball: Offenbar scheint es gängige Praxis unter einigen Oberliga-Kickern zu sein, auf Spiele in der eigenen Klasse und sogar auf eigene Partien zu wetten - obwohl es vom Deutschen Fußball-Bund strengstens untersagt ist. Es entsteht der Eindruck, dass nahezu jedes dritte Spiel manipuliert wird. Auch, wenn es so schlimm sicher nicht ist.

Trotzdem schießen die Spekulationen über mögliche Spielmanipulationen ins Kraut. Immer mehr Verdachtsmomente werden an die Öffentlichkeit gespült - egal, ob es um die Oberliga Hamburg geht, in der der Buxtehuder SV und der TSV Buchholz 08 zu Hause sind, oder um die Oberliga Niedersachsen, in der die SV Drochtersen/Assel spielt.

So soll z.B. die Hamburger Oberliga-Partie Bramfeld gegen Schnelsen in der vergangenen Saison laut einer Video-Reportage von „Elbkick.tv“ verschoben worden sein, auch Partien von Niendorf, Dassendorf, Curslack und einige weitere Teams sollen laut Medienberichten betroffen sein. Fans stellen sich die Frage: Versinkt die Fußball-Oberliga im Wettsumpf?

Wie berichtet, steht ebenfalls die Begegnung von Uphusen gegen Jeddeloh in der Oberliga Niedersachsen unter Verdacht. Uphuser Spieler sollen angeblich absichtlich verloren haben. Beim Online-Wettanbieter „tipico“ waren hohe Beträge auf eine Handicap-Wette eingegangen.

Oberliga-Spieler, die harte Euros auf Partien in der eigenen Klasse wetten - im schlimmsten Fall sogar auf die eigene Niederlage. Ist das wirklich wahr? Insider gehen davon aus, dass von ca. 380 Spielern in der Oberliga die Hälfte wettet.

Dabei agiert der überwiegende Anteil sicher nicht in böser Absicht. Und trotzdem ist es vom Deutschen Fußball Bund (DFB) strengstens untersagt, in der eigenen Liga zu wetten. Strafrechtlich relevant wird es dann, wenn Spieler oder Offizielle auf die eigene Niederlage wetten. Auf Wettbetrug steht eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren.

Das Problem: Amateur-Kicker verdienen mit ihrem Sport nicht viel, vielleicht im Schnitt einige Hundert Euro im Monat. Womöglich ist mancher Spieler daher anfälliger, Wetten abzuschließen und in krassen Fällen sogar Spiele zu manipulieren. Mit Wetten kann man nebenbei gutes Geld verdienen. Viele Spieler kennen sich gut. Absprachen sind schnell gemacht.

Wie läuft das bei den Vereinen in der Region?

Beim Buxtehuder SV, Aufsteiger in die Hamburger Oberliga, scheint die Wettproblematik kein Thema zu sein. Zumindest nicht für Trainer Rene Klawon, dem nach eigenen Angaben keine Gespräche seiner Spieler über Wetten zu Ohren gekommen sind. Es habe keine offizielle Ansage weder in Richtung der Mannschaft noch an die Funktionäre gegeben, so Klawon.

Anders stellt sich die Situation beim TSV Buchholz 08 dar. Der Verein gehört seit vielen Jahren zur Hamburger Oberliga. Liga-Manager Simon Beecken schildert auf Anfrage, dass alle Spieler, Trainer, Co-Trainer und Abteilungsvorstandsmitglieder im vergangenen Jahr eine Erklärung unterschreiben mussten. Darin verpflichten sie sich, keine Wetten auf Oberliga-Spiele abzuschließen. Nicht auf fremde und schon gar nicht auf eigene.

Bei Zuwiderhandlung hätte der Betroffene mit drastischen Konsequenzen zu rechnen, so Beecken. Das könne von einer Geldstrafe bis zum Rausschmiss reichen. Vorgekommen sei dieser Fall noch nicht, sagt Beecken.

Bei der SV Drochtersen/Assel, Mitglied in der Oberliga Niedersachsen, weiß Manager Rigo Gooßen, dass Spieler wetten: „Aber nicht auf eigene Spiele.“ Das sei aber schwer zu überwachen. „Dann machen es eben Freunde oder Nachbarn im Auftrag.“ Seine Meinung: Verbände und Vereins-Führungen müssen mit ihren Mannschaften sprechen, sie gegenüber der Problematik noch stärker sensibilisieren.

Das WOCHENBLATT hat auch bei Carsten Byernetzki, Sprecher des Hamburger Fußballverbandes (HFV), nachgefragt. Seit Anfang des Jahres habe der HFV einen Passus in seine Durchführungsbestimmungen aufgenommen, so Byernetzki. Inhalt: Spieler und Funktionäre dürfen in der eigenen Liga nicht wetten. Schon der Versuch ist strafbar. Sofern ein Verdacht auftauche, müssen Namen gemeldet werden.

Bisher gehen die von Trainer und Spielern geäußerten möglichen Manipulationen, die oft nur anonym vorgetragen werden, aber nie über einen Anfangsverdacht hinaus. Bewiesene Fälle gibt es laut Byernetzki nicht.

Am 18. November kommt es zu einem Treffen zwischen dem HFV und „tipico“. Dem Vernehmen nach laufen schon jetzt die Verhandlungen, um Oberliga-Wetten komplett aus dem Programm zu nehmen - so wie es viele Trainer bereits fordern. Das wäre ein Anfang, aber dann müssen auch die anderen Wett-Anbieter mitziehen.


Wettbüros: Wie werden sie besteuert?


(bc). Heiner Schönecke, CDU-Landtagsabgeordneter aus Elstorf, lässt nicht locker, was die Auswüchse von Online-Wettbüros angeht. Wie berichtet, drängen immer mehr private Anbieter auf den Markt, die faktisch keine Konzession besitzen. Schönecke will wissen: Was tut die Landesregierung dagegen? Spannend sei die Frage der Besteuerung dieser Büros, so der Politiker. „Das Finanzamt Hannover-Nord ist nur für die Steuer auf Sportwetten zuständig, die in Niedersachsen veranstaltet werden“, sagt Schönecke. Das Aufkommen habe sich im Vergleich von 2012 auf 2013 mindestens verdoppelt. Auch der niedersächsische Anteil des Steueraufkommens aus allen im Inland abgeschlossenen Sportwetten sei erheblich gestiegen: von 7,87 Mio. Euro in 2012 auf 17,67 Mio. Euro in 2013. Schönecke: „Wenn die genaue Zahl der Wettbüros in Niedersachsen nicht bekannt ist, wie werden diese Steuern ermittelt?
Zum Hintergrund: 2012 waren 20 Konzessionen an private Online-Sportwetten-Anbieter ausgegeben worden. Anbieter, die nicht berücksichtigt wurden, klagten. Der Schwebezustand besteht nach wie vor. Offenbar herrscht Unklarheit darüber, wie die Lizenzen ausgestaltet werden können.

Kommentar



So geht der Fußball kaputt


Um eines klar zu stellen: Die Fußball-Oberliga steht nicht im Verdacht, komplett korrupt zu sein. Aber die Frage muss erlaubt sein: Wie ehrlich ist der Amateurfußball noch, wenn es gängige Praxis ist, dass Spieler auf Partien in der eigenen Liga wetten? Obwohl es untersagt ist. Der Fußball geht kaputt, wenn die Quoten im Vordergrund stehen. Björn Carstens