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Bei Airbus werden gute Vorschläge belohnt: WOCHENBLATT-Interview mit Ideenmanager Rainer Knuff

Rainer Knuff mit der Modell-Flugzeugflotte von Airbus
Hamburg: Airbus | Mit rund 12.000 Mitarbeitern in Hamburg, 2.000 in Stade und 400 in Buxtehude ist Airbus einer der bedeutendsten - wenn nicht sogar der bedeutendste Arbeitgeber in der Region. Wer bei dem internationalen Flugzeugbauer einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz hat, ist auf der sicheren Seite des Lebens, heißt es. Neben attraktiven Gehältern, guten Absicherungen, interessanten Arbeitsplätzen und der Möglichkeit, zeitweise im Ausland zu arbeiten, ist das neue Ideenmanagement von Airbus eine effektive Motivation für die Mitarbeiter. Was es damit auf sich hat, wollte das WOCHENBLATT von Rainer Knuff wissen. Der Buxtehuder ist bereits seit 1981 bei Airbus, u.a. als langjähriger Personalleiter in Finkenwerder, Stade, Buxtehude und Toulouse. Heute hat Rainer Knuff zwei Wirkungsbereiche: Er ist sowohl Kopf des Site Support Management Toulouse als auch Koordinator Ideenmanagement Airbus Deutschland.
WOCHENBLATT: Herr Knuff, was können wir uns unter Ideenmanagement vorstellen?
Rainer Knuff: Ideenmanagement wird in vielen größeren Firmen betrieben. Bei Airbus haben wir das Thema im vergangenen Jahr neu aufgerollt. Es geht darum, unsere Mitarbeiter zu Verbesserungsvorschlägen anzuregen, die Vorschläge zu bewerten und - wenn möglich - umzusetzen. Ziel ist z.B. die Teamarbeit, Arbeitsabläufe oder Qualität zu verbessern und Kosten zu sparen.
WOCHENBLATT: Und wie kreativ sind die Mitarbeiter bei Airbus?
Rainer Knuff: Pro Jahr gehen 2.500 bis 3.000 Ideen bei uns ein, die alle geprüft werden müssen. Diese Verbesserungsvorschläge sollen sich allerdings nicht direkt auf den eigenen Aufgabenbereich beziehen. Denn dass man dort immer um Optimierung bemüht ist, sollte selbstverständlich sein.
WOCHENBLATT: Was ist neu im Ideenmanagament von Airbus?
Rainer Knuff: Wir haben ein neues elektronisches Tool, in das unsere Mitarbeiter ihre Vorschläge eintragen und das einen schnellere Bearbeitung ermöglicht und für den Mitarbeiter mehr Transparenz schafft. Da mein Team und ich nicht in jedem Bereich Experten sind, werden die eingereichten Ideen auch von Gutachtern beurteilt und anschließend vor einem Gremium präsentiert.
WOCHENBLATT: Wer sitzt in diesem Gremium?
Rainer Knuff: Zu gleichen Teilen Arbeitgebervertreter und Arbeitnehmervertreter - also der Betriebsrat. Es entscheidet also nicht nur die Arbeitgeberseite darüber, ob ein Vorschlag sinnvoll ist und ob bzw. wie er prämiert wird.
WOCHENBLATT: Und sind die Ideen tatsächlich so gut, dass das Unternehmen davon profitiert?
Rainer Knuff: Auf jeden Fall. Wir haben dadurch in den vergangen sechs Jahren gut zehn Millionen Euro netto eingespart.
WOCHENBLATT: Was sind denn das für Vorschläge, die Sie erhalten?
Rainer Knuff: Eine Idee, die wir umsetzen und von der ich berichten kann, ist ein Raumbuchungstool. In einem so großen Unternehmen wie Airbus nimmt die Suche nach einem freiem Besprechungs- oder Veranstaltungsraum oft viel Zeit ein. Ein Mitarbeiter hat ein Tool entwickelt, das die freien Räume anzeigt.
WOCHENBLATT: Und was hat der Mitarbeiter davon?
Rainer Knuff: Er bekommt eine Prämie. Von der Einsparung, die seine Idee im Jahr bringt, erhält er zwischen 50 und 75 Prozent. Viele unserer Mitarbeiter gehen mit offenen Augen durch den Betrieb und reichen immer wieder neue Vorschläge ein. Da kann schon einmal eine hohe fünfstellige Summe zusammen kommen.
WOCHENBLATT: Wie viele der eingereichten Ideen werden denn umgesetzt und was passiert mit guten Ideen, die nicht zu einer Kosteneinsparung führen?
Rainer Knuff: Zwischen zehn und 15 Prozent aller Vorschläge werden umgesetzt. Besonders gute Ideen, die zu einer Verbesserung führen, ohne dass es möglich ist, Einsparungen zu berechnen, können wir auch mit Sachpreisen belohnen.
WOCHENBLATT: Also alles in allem ist Ideenmanagement eine lohnenswerte Einrichtung?
Rainer Knuff: Ja, zumal hierbei alle Beteiligten profitieren - Mitarbeiter und Unternehmen. Eine echte Win-Win-Situation.