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Carbon, der Werkstoff der Zukunft

Stades Wirtschaftsförderer Thomas Friedrichs ist eng mit dem CFK-Valley in Ottenbeck verbunden. Mittlerweile ist die Kohlefaser "aus Stade" im Alltag angekommen, ob im Tennisschläger, im Fahrradrahmen oder in einem Helm. Fotos: bc/Strehl/CarbonTT
Vor der CFK-Fachmesse in Stade: WOCHENBLATT stellt zwei erfolgreiche Unternehmen vor, die auf Carbon setzen

bc. Stade. Wenn in Stade über Fasern "gefaselt" wird, horcht die Fachwelt interessiert auf. Am 12. und 13. Juni findet zum zwölften Mal die Fachmesse "CFK Valley Convention" in der Hansestadt statt. Im Flugzeugbau gehören CFK-Fasern - Carbon auf deutsch - seit den 1980er Jahren zum Standard. Die ultraleichte und ultrastabile Kohlefaser, die als Werkstoff der Zukunft gilt, wird mittlerweile aber schon weit vielfältiger im Alltag eingesetzt. Das WOCHENBLATT stellt zwei erfolgreiche Unternehmen vor, die auf Carbon setzen.
• Als Björn Strehl 1995 sein Unternehmen gründete, war längst noch nicht abzusehen, dass er mal Orthesen und Prothesen für Kinder aus CFK-Verschnittresten des Flugzeugbauers Airbus fertigen würde. Heute ist die Strehl Kinderreha- und Orthopädietechnik GmbH aus Bremervörde Marktführer in ihrer Branche. Der Airbus-Deal wurde mehr oder weniger zufällig bei einem bei einem Businesstalk in Stade eingetütet. Eine neue Form des CFK-Recycling war geboren.
Carbon-Überbleibsel, die bei der Herstellung des A380-Jets anfallen und früher einfach weggeschmissen wurden, nimmt Björn Strehl und baut daraus Orthesen und Prothesen. „Wenn man den Eltern erzählt, dass es sich dabei um ein Stück eines Airbus-Flugzeugs handelt, hat man eine ganz andere Resonanz", sagt der Firmenchef.
Strehls Orthesen wiegen nur 71 Gramm - rund ein Fünftel einer regulären Orthese. Künftig will er noch stärker auf den 3D-Druck setzen. So könnte er zum Beispiel bald Gelenke selbst drucken, die er heute noch teuer einkaufen muss.
• Das junge Stader Start-up CarbonTT kommt auf der Convention gleich mit drei Neuheiten daher. Das Unternehmen fertigt Chassis bzw. Fahrgestelle für leichte Nutzfahrzeuge bis 3,5 Tonnen aus Carbon. Die Vorteile des Leichtbau-Materials liegen neben dem geringerem Sprit-Verbrauch und der höheren Reichweite bei Elektroautos auf der Hand: Bis zu 40 Prozent mehr Nutzlast können durch die gewichtsoptimierten Konzepte zugeladen werden.
So können sich Besucher bei der Messe einen VW T6 anschauen, der mittels Carbon-Chassis und Leichtbau-Koffer um ca. 500 Kilo leichter gemacht wurde. Acht solcher Fahrzeuge lieferte CarbonTT zuletzt an Coop in die Schweiz. Außerdem hat das Unternehmen ein besonders kostengünstiges Chassis für Elektro-Fahrzeuge für die Deutsche Post (Streetscooter) entwickelt. Und: CarbonTT arbeitet mit Daimler für ein Chassis-Konzept für den neuen Mercedes Sprinter zusammen.
• Mehr über die Messe und das Programm: www.cfk-valley.com