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E-Mobilität als Chance sehen

Ein Tesla S als Taxi: Das Unternehmen Rombach aus Harsefeld ist einer der Vorreiter in Norddeutschland
bc. Stade. Elektrisch betriebene Fahrzeuge sollen die Fortbewegungsmittel der Zukunft sein. So will es der Gesetzgeber. Langfristig soll der Verbrennungsmotor abgelöst werden. Trotz diverser Fördersysteme steckt die Elektro-Mobilität aber noch in den Kinderschuhen. Also: „Worauf warten wir?“ Unter diesem Motto stand am Donnerstag im Kreishaus eine Diskussionsrunde der Klimawerkstatt. Fazit: Elektro-Mobilität kann Chancen bieten - nicht nur für Nutzer, auch für Anbieter.
Zum Hintergrund: Von den rund 45 Millionen in Deutschland zugelassenen Fahrzeugen seien derzeit nur etwas mehr als 200.000 rein elektrisch betrieben, informierte Frank Fasold (FFaCon-Planungs- und Beratungsbüro): „Es werden aber immer mehr.“ Ladepunkte gebe es dagegen nur etwas über 20.000. Im Vergleich zum kleinen Niederlande mit ungefähr 25.000 Ladepunkten sei das nicht viel.
Dass aktuell die Reichweite von E-Autos das große Problem sei, relativierte Fasold. Laut Kraftfahrt-Bundesamt betrage die durchschnittlich privat zurückgelegte Strecke mit dem Pkw rund 40 Kilometer, gewerblich 76,8 Kilometer. „Die meisten E-Fahrzeuge schaffen heute 250 Kilometer und mehr“, so Fasold.
Davon ausgegangen, ein Pkw laufe im Jahr 20.000 Kilometer bei einem Durchschnittstempo von 60 km/h seien das 330 Stunden im Jahr, in denen das Auto bewegt werde, erläutert Fasold: „Das heißt, 96 Prozent der Zeit steht das Auto.“ Bei durchschnittlich 200 Aufladungen pro Jahr genug Zeit also, um es wieder aufzutanken. Schnellladungen an öffentlichen Ladesäulen dauern zwischen einer und einer halben Stunde. Wer ein E-Auto kauft, erhält zudem einen Umweltbonus von 4.000 Euro.
Das Taxi-Unternehmen Rombach aus Harsefeld hat seit September 2016 ein E-Auto der Marke Tesla (Model S) in seiner Flotte - als einer der ersten Taxi-Betriebe Norddeutschlands überhaupt. „Die Kunden lieben das Fahrgefühl. Wir hätten auch schon mehr E-Autos angeschafft, wenn das Eichgesetz uns derzeit nicht daran hindert“, berichtet Mitarbeiter Wilfried Wittger. 55.000 Kilometer sei das Fahrzeug gefahren, bei einem Stromverbrauch von 11.000 Kilowattstunden. Dank einer eigenen Photovoltaik-Anlage produziert der Betrieb den benötigten Strom nahezu ausschließlich selbst. Mit vollem Akku könne der Tesla eine Laufleistung von mehr als 400 Kilometer erreichen, so Wittger. Im Winter weniger.
Das Geschäftsfeld E-Mobilität ist aber auch interessant für Betreiber von Ladesäulen. Schon heute verzichtet kein Parkhaus-Betreiber mehr auf den Einbau von Ladesäulen. Ein Profiteur könnte - neben dem Hotel- und Gastgewerbe - auch der stationäre Einzelhandel sein, wie Gerald Brietzke vom Technik-Unternehmen „expert“ erläuterte. Viele Marketing-Modelle seien vorstellbar.
Mittels Ladesäulen vor den Geschäften könnte die Verweildauer von Kunden am Standort erhöht werden. Kunden könnten Rabatte beim Stromtanken erhalten. Oder Kunden könnten über Navi-Systeme auf „elektrischen Routen“ zu den Geschäften geführt werden. Auch Stationen für E-Bikes könnten Menschen in die Läden locken.
• Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes waren am 1. Januar 2017 im Kreis Stade 79 reine Elektro-Pkw zugelassen. Zum Vergleich: Insgesamt sind im Kreis Stade 118.667 Pkw zugelassen.


Das ist die Klimawerkstatt


Der Verein Klimawerkstatt im Landkreis Stade wurde im Jahr 2015 gegründet und ist laut eigenen Angaben die erste Klimaschutzagentur in Norddeutschland, die aus unternehmerischer Initiative entstanden ist. Mittlerweile sind über 20 Unternehmen und Kommunen in der Klimawerkstatt aktiv. Ziele sind u.a. die Förderung der Energiewende, die Unterstützung der Klimaschutzziele im Landkreis Stade und die Senkung der Energiekosten und des Energieverbrauchs durch gesteigerte Energieeffizienz bei Wohngebäuden, Betrieben und öffentlichen Einrichtungen.