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Eine kulinarische Ära in Stade geht zu Ende

Gibt sein Geschäft schweren Herzens auf: Frank Garloff führte fast 40 Jahre ein Restaurant am Pferdemarkt, früher die bekannte Hähnchenbraterei-Kette "Wienerwald" (Foto: bc)
bc. Stade. Die Gerüchteküche brodelt schon lange. Jetzt geht Stades Gastronomie-Urgestein Frank Garloff (66) in die Offensive: „Ja, Ende 2017 ist Schluss. Dann schließe ich Boltes Restaurant, ebenso wie den Imbiss und das Außer-Haus-Geschäft.“ Der Lieferservice wird schon am kommenden Dienstag eingestellt.
Wirtschaftliche Gründe spielen bei seiner Entscheidung keine Rolle. Garloff: „Ich bin jetzt einfach in einem Alter, in dem ich andere Prioritäten im privaten Bereich setzen möchte.“ Damit endet in ein paar Monaten eine kulinarische Ära in der Stader Altstadt. Ihre Hähnchen, Schnitzel und Burger müssen sich die vielen Stammkunden dann woanders holen. Auch die beliebten Enten zu Weihnachten wird es hier nicht mehr geben.
Garloffs Problem: Selbst in 1A-Lage am Pferdemarkt findet er keinen Nachfolger. Mehrere Absagen von bekannten System-Gastroketten hat er sich schon eingefangen. Frank Garloff ist Pächter der rund 600 Quadratmeter großen Räumlichkeiten, das Interior samt Küchen-Auststattung gehört ihm. Davon könnte ein Nachfolgebetrieb profitieren. Der 66-Jährige hofft weiter, dass sich noch Interessenten finden.
Seit 38 Jahren ist der gebürtige Lübecker in Stade. Frisch von der Hotelfachschule übernahm er 1979 eine „Wienerwald“-Filiale am Pferdemarkt. In den gleichen Räumlichkeiten befindet sich heute Boltes Restaurant. Teilweise stammen Stühle und Tische noch aus der Anfangszeit.
Frank Garloff war erfolgreich, stieg in der Hierarchie der „Wienerwald“-Organisation schnell auf, war zwischendurch in den 1980er Jahren Gebietsleiter für 27 Filialen in Niedersachsen und Bremen. Durch diverse Umstrukturieren aufgrund von Insolvenzen der „Wienerwald AG“ war der Vollblut-Gastronom ab 2003 nur noch Franchise-Nehmer, seit 2007 versuchte er mit dem selbstkreierten Markennamen „Boltes Restaurant“ durchzustarten.
Die Idee dazu lieferte ein Kinderbuch seiner Tochter: „Max und Moritz“. Das Konzept zieht sich durch das Restaurant. An den Wänden hängen Zeichnungen aus der Geschichte von Wilhelm Busch, Garloff ließ extra Lampen anfertigen, die an Witwe Boltes Haus erinnern sollen. Bis vor kurzem firmierten unter dem Restaurant-Namen noch drei weitere Häuser in Berlin und Hamburg-Langenhorn.
Jetzt wird bald auch in Stade Schluss sein. Findet sich kein Nachfolger, müssen sich die rund 25 Mitarbeiter etwas Neues suchen. Einige Kräfte sind schon fast so lange in dem Restaurant tätig wie Frank Garloff selbst.
Das größte Kompliment für ihn ist, wenn ein Kunde, der in Stade aufwuchs und später wegzog, bei einem Heimatbesuch zu ihm ins Restaurant zurückkehrt, um sich an die Kulinarik seiner Kindheit zu erinnern. „Ich bin mit dem Laden verheiratet“, gibt Frank Garloff zu. Es wird ihm schwer fallen, den Schlüssel zum letzten Mal umzudrehen.