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Energiewende: gewünscht und ausgebremst? - Warum die Stadtwerke Buxtehude und Winsen schnelle Entscheidungen brauchen

Mathias Eik (li.) und Thomas Müller-Wegert
 
Die Stadtwerke Buxtehude und Winsen setzten auf Windkraft (Foto: J.Dammann / Wochenblatt)
Da kann sich jeder wohl an die eigene Nase fassen: Wir wollen zwar Strom aus umweltfreundlichen Quellen nutzen – und das zu jeder Tages- und Nachtzeit -, protestieren aber gegen die notwendigen Anlagen, wie zum Beispiel Windkrafträder vor der eigenen Haustür. Auch planerische Prozesse, die hoheitlich von den Städten und Landkreisen wahrgenommen werden, stellen die Investoren vor Herausforderungen, da sie einen erheblichen Zeitbedarf in Anspruch nehmen und derzeit bundespolitische Förderhähne mehr und mehr abgedreht werden. Beides stellt auch die Stadtwerke vor große Herausforderungen.
Davon wissen Mathias Eik und Thomas Müller-Wegert, Geschäftsführer der Stadtwerke Winsen (Luhe) und Buxtehude ein Lied zu singen. "Wir stehen bei der Energiewende unter Zeitdruck und müssen bereits Entscheidungen über Investitionen treffen, obwohl die Genehmigungsverfahren noch gar nicht abgeschlossen sind", sagt Mathias Eik. Die beiden Geschäftsführer appellieren an alle, die an den Verfahren beteiligt sind: "Wenn wir nicht bald loslegen können, geht uns die Energiewende flöten".
Hintergrund: Der Bund hat nach der Atomkatastrophe in Fukushima vor vier Jahren die Energiewende beschlossen und damit den Atomausstieg bis 2022 beschlossen. Strom soll jetzt aus regenerativen Energiequellen, wie Photovoltaik, Biogas und Windkraft gewonnen werden. Um die Energiewende zu beschleunigen, werden die Investitionen in erneuerbare Energien bei einer Inbetriebnahme der Anlagen bis 2016 nach den jetzt gültigen Fördersätzen des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gefördert. Ab 2017 wird es einen völlig anderen Gesetzesrahmen geben, der heute noch nicht bekannt ist. Das bedeutet: Für Anlagen, die bis Ende 2016 nicht am Netz sind, gibt es keine wirtschaftlich gesicherte Grundlage. Damit ist ein zeitliches Limit gesetzt, bis zu dem die Projekte der Stadtwerke auf jeden Fall realisiert sein müssen.
Die Stadtwerke Wissen (Luhe) und Buxtehude setzen in erster Linie auf Photovoltaik und Windkraft. So werden in beiden Städten von den Stadtwerken selbst viele Solaranlagen gebaut.
In Winsen (Luhe) haben die Stadtwerke bereits eine Windkraftanlage in Betrieb. Die Windkraft haben beide nun stark im Fokus. "Als wirtschaftlich ausgerichtete Unternehmen sehen wir auch darin unsere Zukunft", sagt Thomas Müller-Wegert. So planen die Stadtwerke Winsen gemeinsam mit dem Versorger Hamburg Energie 14 Windkraftanlagen in den Ortsteilen Pattensen und Scharmbeck. Die Stadtwerke Buxtehude haben sich bei der Firma Windstrom eine Option auf drei Anlagen in Daensen gesichert (das Wochenblatt berichtete). Die Investitionskosten belaufen sich bei beiden Projekten auf zweistellige Millionensummen. Bevor jedoch ein Windpark gebaut werden und in Betrieb gehen darf, müssen mehrere, mitunter langwierige Genehmigungsverfahren durchlaufen werden: Zunächst werden u.a. Windgutachten und Naturschutzgutachten erstellt und im Rahmen des Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP) auf Landkreisebene geprüft, ob die Fläche für diesen Zweck überhaupt genutzt werden darf. Dabei spielen insbesondere die Entfernungen zu Wohngebieten eine Rolle. In Buxtehude ist mit dem RROP für den Landkreis Stade auch gleich das nächste Verfahren, die Bauleitplanung auf Städteebene, abgeschlossen. Die Stadtwerke Winsen durchlaufen nach dem RROP des Landkreises Harburg auch dieses zweite Verfahren auf Städteebene. Schließlich greift das Bundesimmissionsschutzgesetz (BImschG), nach dem u.a. der Lärmschutz geregelt wird. "So lange diese Verfahren nicht abgeschlossen sind, können wir nicht loslegen", bringt es Mathias Eik auf den Punkt.
Grundsätzlich sei die Energiewende jedoch auf dem richtigen Weg: Bereits ein Drittel der 120 Millionen Kilowatt Strom, die z.B. durch die Winsener Leitungen fließen, sind laut Eik selbst produziert. Etwa 350 Erzeuger sind bereits mit ihren unterschiedlichen Anlagen (auch Biogas und Photovoltaik) an das Netz angeschlossen. "Auch für den Ausbau der Netzwerke, um den Öko-Strom einzuspeisen und ihn den Verbrauchern jederzeit zur Verfügung stellen zu können, investieren die Stadtwerke Summen in Millionenhöhe", sagt Mathias Eik.
° Weitere Infos: Stadtwerke Buxtehude, Ziegelkamp 8, Telefon 04161-727-0,www.stadtwerke-buxtehude.de sowie Stadtwerke Winsen (Luhe), Schloßring 50, Telefon 04171-79990, www.stw-winsen.de.