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Hansecampus: "Fühlen Sie sich gerettet?"

Campus-Leiter Peggy Repenning (hi. li.) und PFH-Präsident Professor Dr. Frank Albe mit den General Management-Studentinnen Nicole Meier (li.) und Johanna Klee (Foto: bc)
bc. Stade. Elf Jahre gibt es den Hansecampus in Stade-Ottenbeck nun schon - einen Ableger der Privaten Hochschule (PFH) Göttingen. In den vergangenen Wochen schien die weitere Zukunft so ungewiss wie nie zuvor zu sein. Am Montagabend entschied der Stader Rat nun, der Hochschule mit Steuergeld zu helfen: 650.000 Euro sollen in fünf Jahren fließen, um möglichst zwei halbe Professoren-Stellen und ein Stipendienprogramm für Studenten zu finanzieren (wie berichtet).
Das WOCHENBLATT traf sich mit PFH-Präsident Prof. Dr. Frank Albe und Campus-Leiterin Peggy Repenning. Wir wollten wissen: „Fühlen Sie sich gerettet?“
So weit wollte Albe nicht gehen, die Entscheidung der Politik nannte er aber doch einen entscheidenden Schritt in die richtige Richtung: „Das ist ein Bekenntnis für diesen Hochschulstandort, das ich mir nicht erträumt hätte.“ Staatliche Zuschüsse sind ein Novum in der 22-jährigen PFH-Geschichte. Noch nie war die Hochschule auf Subventionen angewiesen. In diesem speziellen Fall wird der Studien-
standort Stade unterstützt.
Normalerweise finanziert sich die PFH ausschließlich über Studiengebühren und Stiftungen. 700 Euro bezahlen Studenten im Monat. Weil jedoch immer weniger Studenten in Stade studieren, sind die Bilanzen ins Minus gerutscht. Der Betrieb des Hansecampus‘ läuft defizitär und muss von Göttingen subventioniert werden. Die einfache Rechnung: Weniger Studenten gleich weniger Umsatz bei gleichbleibender Infrastruktur.
Das Problem: Das Master-Studium im CFK-Bereich ist fast komplett eingebrochen. Derzeit studieren ganze drei Master-Studenten in Stade. Hintergrund ist der fehlende Bedarf bei Flugzeugbauer Airbus. In der Spitze waren mal ca. 150 CFK-Studenten auf Bachelor und Master in Stade eingeschrieben.
Auch das 2011 ins Leben gerufene Studienfach General Management (BWL) stößt derzeit auf wenig Interesse. Nach einem guten Start mit 18 Kommilitonen studieren derzeit in drei Jahrgängen nur 25 Studenten BWL. Zu wenig. Albe: „Ziel ist eine Verdreifachung.“
Insgesamt studieren derzeit 110 Nachwuchskräfte auf dem Hansecampus, der Großteil sind ca. 80 CFK-Studenten auf Bachelor. 150 Studenten gibt es im Fernstudienbereich. Auch diese Zahl soll möglichst verdoppelt werden.
Die neuen Maßnahmen sollen dazu beitragen, dass sich die Studierendenzahlen erhöhen. Vor allem von der Präsenz-Professur verspricht sich Albe viel: „Die Hoffnung ist, dass wir uns besser in der regionalen Wirtschaft vernetzen können und sich unser Bekanntheitsgrad erhöht.“ Wichtig sei auch, dass es einen Professor gibt, der sich mit dem Standort und den Studenten identifiziert und als Ansprechpartner vor Ort zur Verfügung steht. Campus-Leiterin Peggy Repenning: „Die Identifikationskraft der jetzigen Professoren ist schon sehr hoch, ein ‚ein eigener Prof‘ hätte zusätzlich eine neue Dimension.“
Ansonsten sieht sich Repenning gut gerüstet für die Zukunft. Sie widerspricht manchen Unken-Rufen, der Hansecampus sei im Begriff zu sterben: „Das ist bei Weitem nicht so. Wir haben einen Spitzenplatz im CHE-Hochschulranking erreicht. Studenten haben unsere BWL-Studiengänge als hervorragend bewertet.“ Die Möglichkeiten in Stade seien vielfältig, die Chancen auf ein Auslandsemester aufgrund der 37 Partner-Unis groß. Repenning: „Wir haben mehr als 500 Absolventen hervorgebracht, davon 385 im CFK-Bereich mit Master- und Bachelor-Abschluss.“
Albe betont, dass der am Montag beschlossene Zuschuss aus der Stadtkasse keine Dauerlösung sein soll. Um wieder auf eigenen Beinen stehen zu können, ist der Campus aber auch auf mehr Unterstützung aus der privaten Wirtschaft angewiesen. Ein erstes gutes Zeichen: Die KVG konnte als neuer Kooperationspartner gewonnen werden.