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Kapitalforum in Jork: "Niedrigzinsen haben noch lange Bestand"

Die Sparkassen-Vorstandsmitglieder Wolfgang Schult (li.) und Michael Senf mit Dekabank-Volkswirtin Dr. Gabriele Widmann
bc. Jork. Die Wirtschaft boomt! Fast überall auf der Welt herrscht Wachstum. Und trotzdem will die von den Zentralbanken gewünschte Inflation einfach nicht anspringen. Derzeit liegt sie in Euroland bei lediglich ca. 1,5 Prozent, davor lag sie deutlich darunter. Für Dekabank-Volkswirtin Dr. Gabriele Widmann, die beim Kapitalmarktforum der Sparkasse Stade-Altes Land vor knapp 400 Gästen im Fährhaus Kirschenland referierte, heißt das: „Das niedrige Zinsniveau wird noch lange Bestand haben.“ Nach ihrer Einschätzung noch mindestens sieben Jahre lang. Sparer sollten ihr Portfolio breit streuen. Langfristig sei ein Investment in Aktien oder Aktienfonds immer lohnend, so Widmann.
Zur Erklärung: Eine leichte Inflation - also eine Erhöhung der Verbraucherpreise - ist das Schmiermittel der Wirtschaft. Eine leichte Inflation von zwei Prozent ist aus ökonomischer Sicht ideal, da Unternehmen höhere Preise erwarten, dementsprechend investieren und Arbeitsplätze schaffen. Normalerweise steigen dann auch die Löhne, die Verbraucher können mehr konsumieren. Es ist mehr Geld im Umlauf, die Inflation kommt ins Laufen. Das sei derzeit jedoch nicht der Fall, so Widmann: „Die Löhne steigen einfach nicht.“
Auch deshalb hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins auf null gesenkt. Das billige Geld soll die Konsum- bzw Investitionsbereitschaft der Verbraucher und Unternehmen anregen. Widmann: „Die EZB will, dass das Geld ausgegeben und so die Konjunktur angekurbelt wird.“ Einen Grund für den ausbleibenden Lohnanstieg sieht die Expertin im weltweitem Wettbewerb. Höhere Löhne könnten Unternehmen dazu bewegen, ihr Geschäft ins Ausland zu verlegen.
Erst im Jahr 2024, so Dr. Gabriele Widmanns Prognose, werde der Leitzins wieder über der Inflationsrate liegen. Entsprechend sei auch in den nächsten Jahren noch kein Geld mit festverzinslichen Wertpapieren zu verdienen. Widmanns Tipp: Aktienfonds. Es sei davon auszugehen, dass die Weltwirtschaft um fünf Prozent steige, dann werden auch die Aktienmärkte um fünf Prozent steigen - allerdings mit großen Schwankungen. „Wer Monat für Monat in Aktien spart, läuft nicht Gefahr, zum falschen Zeitpunkt einzusteigen.“
Weil eben nicht von einem schnellen Zinsanstieg auszugehen ist, stehen für Widmann „alle Signale auf grün“. Ein Ende des Booms sei nicht absehbar: „Eine Rezession wird von einem starken Zinsanstieg ausgelöst. Davor muss derzeit niemand Angst haben.“
Sparkassen-Vorstand Michael Senf war das Schlusswort vorbehalten. Angesichts der Unsummen, die deutsche Sparer nach wie vor in niedrig verzinsten Papieren halten, sagte Senf: „Der Vortrag sollte auch dazu beitragen, dass die 'German Angst' ein wenig reduziert wird.“ Das Geld, das nicht täglich gebraucht werde, sollte möglichst breit gestreut angelegt werden. Senf: „Bei Geldanlagen ist immer wichtig, dass sie zumindest die Inflation schlagen.“