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Keine Qualifikation, keine Chance auf einen festen Job?

Sind viele Arbeitslose zu schlecht qualifiziert? Eine Studie legt den Verdacht nahe. Ein Jobcenter-Mitarbeiter widerspricht

tk. Landkreis. Diese Zahl alarmiert: 45 Prozent der Arbeitslosen in Deutschland sollen laut einer neuen Studie so schlecht qualifiziert sein, dass sie nur einfache Helferjobs übernehmen können. Weil nur 14 Prozent aller Arbeitsplätze diesem niedrigen Qualifizierungsniveau entsprechen, haben diese Klienten der Jobcenter kaum eine Chance auf dem Arbeitsmarkt. Laufen viele Qualifizierungsbemühungen der Arbeitsagenturen und Jobcenter ins Leere? Wird es eine wachsende Zahl von Menschen geben, die aufgrund fehlender Qualifikationen nie einen Job finden?

Das WOCHENBLATT hat mit einem Arbeitsvermittler* aus einem Jobcenter gesprochen. Die Horror-Zahl von 45 Prozent relativiert er: Darunter fallen auch gut ausgebildete Ex-Arbeitnehmer, die etwa aus gesundheitlichen Gründen ihren Beruf aufgeben mussten und noch keine neue Ausbildung absolviert haben. Statistisch erfasst werden in diesem Topf auch Migranten, deren Ausbildung oder Studium in Deutschland nicht anerkannt werden. Durchaus möglich, dass ein Physikprofessor als unqualifiziert und ungelernt geführt wird.

Die Zahl der beständig zurückgehenden Hilfsjobs sind aber ein Problem, sagt der Experte. Er nennt ein Beispiel: In seiner Jugend war ein Nachbar Helfer im Straßenbau und hat tagtäglich Gräben ausgehoben. Das macht heute ein Minibagger - schneller und billiger. Um den zu bedienen ist ein Baggerschein erforderlich. "Der Bauhelfer konnte früher mit seinem Hilfs-Job eine vierköpfige Familie ernähren", sagt der Arbeitsvermittler.

In de Landkreisen Harburg und Stade sei die Situation für schlecht qualifizierte Arbeitssuchende noch relativ gut. Grund dafür seien große Warenlager, die Helfer fürs Packen und Kommissionieren suchen. "Aber auch dafür muss man einen Computer bedienen können", so der Jobvermittler. Sein Fazit: Häufig sei nicht die Qualifikation, sondern die Motivation das Entscheidende.

Friedhelm Kaiser, Geschäftsführer der Jobcenter im Landkreis Stade, stimmt zu: In vielen Fällen schauen Betriebe nicht auf die Qualifikation, sondern auf den Willen, einen Job zu bekommen. "Ohne Motivation müssen wir gar nichts versuchen", sagt er. Doch die Gruppe der Menschen, die weder über Qualifikation noch Motivation verfüge, sei recht klein. Dass die Qualifizierungsmaßnahmen ins Leere laufen, stimme nicht, so Kaiser. "Wir parken auch keine Jobsuchenden in solchen Maßnahmen." Das sei schon deswegen nicht machbar, weil Ausbildungskurse viel Geld kosten. Am Ende sollte daher der Eintritt oder die Rückkehr in den Arbeitsmarkt und in einen sozialversicherungspflichtigen Job stehen.

Der Arbeitsvermittler aus dem Jobcenter setzt der Horrorzahl von 45 Prozent Unqualifizierter einen eigenen Wert entgegen: "95 Prozent unserer Klienten wollen arbeiten und suchen ernsthaft und oft mit Erfolg einen Job."