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Kritik an Schornsteinfegern: Der verhinderte Wettbewerb?

Die Schornsteinfeger-Branche ist in den Fokus von Verbraucherschützern geraten (Foto: ZIV Schornsteinfegerhandwerk)
(bc). „Der Wettbewerb wird von der etablierten Branche systematisch weggebissen“, klagt Dr. Aribert Peters, Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins „Bund der Energieverbraucher“. Gemeint sind Schornsteinfeger, die angeblich durch eine unzulässige Verwendung von Kehrbuchdaten Wettbewerb torpedieren und Konkurrenz verhindern würden. Zum Nachteil der Verbraucher, die höhere Preise bezahlen müssen. Dabei wurde das Gebietsmonopol des Bezirksschornsteinfegers schon vor mehr als vier Jahren aufgehoben.
Zur Erklärung: Nach wie vor gibt es hoheitlichen Aufgaben, die von einem bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger ausgeführt werden. Dazu gehört u.a. die Feuerstättenschau. Alle Folgeaufträge wie Kehrungen, Messungen und Überprüfungen von Heizungen können vom Verbraucher frei vergeben werden. In der Praxis kommt das aber so gut wie nie vor, bemängelt Peters. Die etablierten Schornsteinfeger bieten nahezu keine Arbeiten im Gebiet des jeweils anderen an.
Die Hauptkritik des Bundes der Energieverbraucher: Der bevollmächtige Schornsteinfeger dürfe das Kehrbuch nicht verwenden, um Kunden anzusprechen, da er die Daten aller Heizungen und Hausbesitzer kenne und sich so teure Aufwendungen für Akquise und Werbung sparen könne. Peters: „Es ist höchste Zeit, die hoheitlichen Aufgaben dem Staat zu übertragen und dadurch einen fairen Wettbewerb zu ermöglichen.“
Die Branche wehrt sich gegen diese Vorwürfe. In seinem jüngsten Fachblatt weist der Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks die Kritikpunkte zurück. Fakt sei, dass bundesweit ca. 8.000 inländische Betriebe durchaus im Wettbewerb stünden. Etwa 1,5 Millionen Feuerstätten würden bereits von anderen Schornsteinfegern betreut und eben nicht vom bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger. Täglich wechseln also hunderte Kunden ihren Schornsteinfeger. „Wir müssen uns aber auch nicht entschuldigen, dass 90 bis 95 Prozent unserer Kunden mit ihrem Schornsteinfeger zufrieden sind“, heißt es in dem Blatt.
Die Vorsitzenden der Innungen in den Landkreisen Harburg und Stade sehen das ähnlich. Ingo Rolf Köther, Vorsitzender der Schornsteinfeger-Innung Lüneburger Heide sagt: „Wenn ein Kunde wechseln will, kann er das.“ Er selbst habe seit dem Wegfall des Gebietsmonopols rund 50 Neukunden gewonnen, ungefähr genauso viele seien
gewechselt.
Allerdings sagen er und sein Kollege Heinrich Brand, der als Vorsitzender der Innung für den Elbe-Weser-Raum für den Landkreis Stade zuständig ist, unisono auch, dass sich bei Kosten für die Kehrung eines Schornsteins von 25 bis 30 Euro im Jahr oder der Überprüfung einer Heizung (60 bis 65 Euro) weite Anfahrtswege oft nicht rechnen würden, bzw. Preise verlangt werden müssten, die sich für potenzielle Kunden nicht lohnen. Heinrich Brand stellt aber klar: „Mal abgesehen von möglichen Einzelfällen kann es Absprachen nicht geben.“