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Moritz Bartmer baut auf Gut Immenbeck eine Hofmälzerei auf

Moritz Bartmer überrascht Gäste mit einer verblüffenden Erklärung für seine innovative Hof-Mälzerei: "Ich habe das Verfahren mit einem Betonmischer erprobt" (Foto: tk)

tk. Buxtehude/Immenbeck. Er wird von den Organisatoren des "Ceres Award", einer der wichtigsten Auszeichnungen in Deutschland für erfolgreiche Landwirte, als "Daniel Düsentrieb" tituliert. Darauf angesprochen muss Moritz Bartmer schmunzeln. Nein, so einfach wie im Comic funktioniere sein innovatives Projekt der Herstellung von Malz zum Bierbrauen nun doch nicht. "Wobei", fügt er hinzu: "Eigentlich ist es verblüffend einfach. Es ist nur vorher noch niemand drauf gekommen." Moriz Bartmer baut auf Gut Immenbeck eine hofeigene Mälzerei auf.



Braugerste baut Familie Bartmer schon lange an. Aufgrund von Klima und Boden sogar ein besonders hochwertiger Rohstoff zum Bierbrauen. Was Moritz Bartmer aber schon lange ärgert: "Mein eigenes Produkt geht in der Menge unter." Er produziert 150 Tonnen im Jahr, eine Industriemälzerei verarbeitet allein 300 Tonnen pro Tag. Das, und die Tatsache, dass er ein leidenschaflicher Bierfan ist, führte zum kreativen Nachdenken.
Wie kann das Mälzen, das aus den Schritten wässern, keimem lassen und anschließend trocknen besteht, kompakt mit einer kleinen Maschine für überschaubare Mengen jenseits der Industrieproduktion bewerkstelligt werden? Der Agraringenieur verblüfft mit der Antwort: "Ausprobiert habe ich das alles mit einem herkömmlichen Betonmischer." In dem hat er alle drei Arbeitsgänge nacheinander hinbekommmen.

Mit der Hilfe der Innovationsberatung der IHK Stade hat Moritz Bartmer seine Erfindung zum Patent angemeldet und mit der Buxtehuder Firma Herbst Mischtechnik einen Prototypen entwickelt, der derzeit in einem Lebensmittelinstitut im Echtbetrieb getestet wird. Gefördert wird das Vorhaben inzwischen vom Bundesforschungsministerium. "Meine Ernte 2018 will ich selbst verarbeiten", sagt Moritz Bartmer.

Ganz so einfach im "Daniel-Düsentrieb-Modus" war der Weg zur Erfindung aber doch nicht, räumt er ein. Der innovative Landwirt hat zum Beispiel alte Lehrbücher zur Malzherstellung aus der Mitte des 19. Jahrhunderts studiert. "Darin wird ein sehr ursprüngliches Wissen sehr detailliert beschrieben." Damals gab es keine Brauerei-Giganten, die weltweit den Markt unter sich aufteilen. Weil es heute eine immer größere und vielfältige Bierszene gibt, die sogenannten Craftbeer-Produzenten, die auf kleine Mengen, hohe Qualität und Individualität setzen, ist Moritz Bartmer sicher, einen Markt für die Produkte seiner Hofmälzerei zu finden. Erste Kontakte gab es bereits. "Die Resonanz war sehr gut." Denn Moritz Bartmer bietet das, was die Bierindustrie nicht kann: Rohstoffe aus regionaler Herkunft mit eigener Identität und einem unverwechselbaren Geschmack. Das erste Bier mit Zutaten aus der Mälzerei Gut Immenbeck könnte vielleicht ein Weihnachtsbier 2018 werden, hofft Moritz Bartmer.

• Der "Ceres Award" wurde 2014 vom Fachmagazin "dlz Agrarmagazin" initiiert und wird von zahlreichen Verbänden wie dem Deutschen Bauernverband unterstützt. Namenspatin ist die römische Göttin des Ackerbaus Ceres. Moritz Bartmer ist einer der Nominierten in der Kategorie Geschäftsidee. Ob er einer der besten Landwirte Deutschlands ist, steht am 11, Oktober fest. Dann wird in Berlin der Preis verliehen.