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Warum Höfe oft keinen Nachfolger finden: "Man kann einfacher durchs Leben kommen"

Klaus Schmoldt kritisiert das Übermaß an Bürokratie (Foto: jd/archiv)

Immer mehr Landwirte geben auf: Bürokratie frustriert die Nachfolger

tk. Landkreis. Wenn nur 38 Prozent aller Einzelhändler in Deutschland kundtun würden, dass sie für ihr Geschäft eine gute Zukunftsperspektive sehen, ein Aufschrei des Entsetzens ginge durchs Land. Hilfe, der Einzelhandel stirbt! Laut einer Studie der Bremervörder Fachschule für Agrarwirtschaft ist das bei Landwirten der Fall. Nur 38 Prozent blicken optimistisch in die Zukunft. "Das ist ein düsteres Bild", sagte kürzlich Stades Kreislandwirt Johann Knabbe bei einem Treffen von Kirchen- und Landvolkvertretern der Elbe-Weser-Region. In Niedersachsen hätten von rund 38.000 Betrieben in den vergangenen drei Jahren rund 3.000 aufgegeben. Das WOCHENBLATT hat bei zwei Experten aus den Landkreisen Stade und Harburg nachgefragt. Was sind die Gründe?

Dass zwischen drei und vier Prozente der Betriebe jährlich aufgeben, sei seit Jahren eine feste Größe, sagt Willy Isermann, Kreislandwirt im Kreis Harburg. Problem Nummer eins: Der Generationswechsel.  "Die möglichen Nachfolger stellen sich die Frage, ob das für sie wirklich Sinn macht", sagt er. Wer einen Hof übernehme, müsse für ein geringes Einkommen hart arbeiten. "Man kommt auch einfacher durchs Leben", so Isermann, der seinen Hof vor zwei Jahren an seinen Sohn übergeben hat. Eine Übergabe sei zudem meist mit Investitionen und Expansion verbunden. Da stelle sich die Frage der Sinnhaftigkeit umso mehr.

Klaus Schmoldt vom Arbeitskreis Junger Landwirte im Kreis Stade sieht einen weiteren sehr schwerwiegenden Grund, warum die nachfolgende Generation den elterlichen Hof häufig nicht übernehmen will: Die Bürokratie. "Ich sitze mehrere Wochen im Jahr am Schreibtisch", so Schmoldt. Ständig neue Regeln und Verordnungen samt umfangreicher Dokumentationspflichten, würden abschrecken. "Nicht mein Hof, sondern der Papierkram wird kontrolliert", sagt Schmoldt. Diese teils zermürbende Arbeit nehme vielen Junglandwirten den Spaß und trage zum Höfesterben bei.  Gut ausgebildete Landwirtschaftsmeister oder Hochschulabsolventen hätten weltweit beste Jobchancen. "Da sagen manche aus gutem Grund Nein zur Übernahme." Schmoldts Appell an die Politik: "Bitte nicht noch mehr Gesetze und Regeln!"