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Wie kommt die Telekom an meine Tarifdaten?

Angerufen werden geht, zurückzurufen nicht

(tk). Mitarbeiter aus Callcentern sollen verkaufen. Das ist bei der Telekom nicht anders, als bei anderen Unternehmen. Aber: Versuchen die Mitarbeiter mit überhöhten und falschen Verbrauchsangaben Kunden zum Abschluss neuer Verträge oder weiterer Zusatzoptionen zu überreden?

Letzte Woche klingelte mein Handy: Eine Telekom-Mitarbeiterin bot mir eine Zusatzoption für unbegrenzten SMS-Spaß an. Ihre Begründung: Ich hätte mehrfach meine Frei-SMS überzogen. Wenige Monate zuvor ein ähnlicher Anrufe: Mehrfach hätte ich mehr vertelefoniert. als meine Freiminuten hergeben. Ich sollte einen anderen Tarif buchen.
In beiden Fällen stimmten nach meiner Überzeugung die vermeintlichen Fakten nicht. Weder SMS noch Freiminuten nutze ich regelmäßig aus. Meine Bitte, mir Kosten und Verbrauch der vergangenen Monate detailliert zu beschreiben, lehnten die Mitarbeiter in beiden Fällen ab. Das gehe nicht, auf diese Daten hätten sie keinen Zugriff. Woher ihre Angaben kommen? Eine Antwort darauf bekomme ich nicht.

Die Verbraucherzentrale in Stade erinnert ein solches Verkaufsverhalten am Telefon an klassische Drückerkolonnen. Vermutung: Die Telekom arbeite mit externen Dienstleistern, die in ihrem Auftrag verkaufen und keinen Zugriff auf Daten haben.
Ich will es genau wissen und stelle eine Presseanfrage: Überrasch
ung Nummer eins beim ersten Gespräch mit einem Sprecher. Natürlich sei es möglich, dass bei meinen Kundendaten vermerkt werde, dass ich überhaupt nicht angerufen werden will. Diese Möglichkeit hatten die Callcenter-Verkäufer bislang kategorisch verneint.

Derweil ich auf die Beantwortung meiner weiteren Fragen warte, will ich die Nummer anrufen, die mir das SMS-Angebot unterbreitet hat. In meiner Anruferliste steht zwar "Telekom", doch diese Nummer ist leider unbekannt. Schade!

Meine konkrete Frage an die Pressestelle, wie die Telekom-Mitarbeiter an ihre Zahlen für "Vertragsverhandlungen" kommen, bleibt unbeantwortet. Die Bitte um Antwort bis Donnerstagmittag ist - trotz einer zweiten Anfrage - den Öffentlichkeitsarbeitern offenbar schnuppe.

Die Antwort der Telekom: Grundsätzlich sei es möglich, dass ein Kunde der Telekom untersagt, im Zuge einer Kampagne angerufen zu werden, so Telekom-Sprecher Georg von Wagner. Die Vertriebsmitarbeiter können Kunden jedoch nicht von einer Liste streichen.
Die Telekom-Mitarbeiter erhalten für ihre Anrufe lediglich die Durchschnittsverbräuche der vergangenen drei Monate, teilt die Pressestelle mit. Aus Datenschutzgründen erhalten sie aber keinen Einblick in Umsatz- und Rechnungsdaten. Die Daten für die Anrufe seien zudem anonymisiert.
Kunden, die dabei ermittelt werden, werden "produktbezogen durch den Vertrieb angerufen", so von Wagner. Der Telekom gehe es bei solchen Kampagnen auch darum, die Tarifsituation eiens Kunden zu verbessern.