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"Das ist nicht wie zu Hause"

Die Nachbarn verbrachten die Nacht gemeinsam in der Sporthalle (v. li.): Dennis Süssenguth, Sabrina Gierholz, Rolf-Dieter Carstensen, Monika und Stephanie Gierholz, Christian Stoller und Pierre Simon

Brand im Mehrfamilienhaus: Mieter haben alles verloren / Turnhalle als Notunterkunft

tp. Drochtersen. Die kurze Nacht auf harten Feldbetten steht ihnen ins Gesicht geschrieben: "Das ist nicht wie zu Hause", sagen Monika Gierholz (52) und ihre Töchter Sabrina (20) und Stephanie (28). Bei einem Brand in einem Mietshaus im Kehdinger Dörfchen Barnkrug bei Drochtersen haben sie alles verloren, was ihnen lieb und teuer ist. Die erste Nacht nach dem Unglück verbrachten sie mit Nachbarn, deren Wohnungen ebenfalls zerstört worden waren, in der Turnhalle im Nachbarort Assel.
Insgesamt zehn Menschen hielten sich in dem Mehrfamilienhaus auf, als der Brand in der Nacht auf Donnerstag aus bislang ungeklärter Ursache ausbrach. "Ich wurde von Knackgeräuschen und beißendem Geruch aus dem Schlaf gerissen", berichtet Stephanie Gierholz. Sie alarmierte Mutter und Schwester. Die Familie rettete sich in letzter Minute ins Freie und sah im Dunkel der Nacht mit an, wie ihr Hab und Gut von Büchern und CDs über Videos und Silberbesteck bis zur Kleidung den Flammen zum Opfer fiel.
Auch Christian Stoller (48) und Pierre Simon (38), die in dem Brandhaus in einer Männer-WG lebten, haben nach dem Feuer nur noch die nach Qualm riechenden Kleider am Leib. "Das Haus war so stark verqualmt, dass ich nicht mehr die Hand vor Augen sah", berichtet Christian Stoller.
Große Sorgen um sein Eigentum machte sich auch Hausbewohner Rolf-Dieter Carstensen (55), der eine Trockenbaufirma betreibt. In der durch Ruß und Löschwasser beschädigten Garage lagerte er Werkzeug und Maschinen. In seiner völlig zerstören Wohnung ließ er auf der Flucht vor den Flammen Handy, Papiere, und den Computer mit Firmendaten zurück. "Man kennt so etwas nur aus dem Fernsehen und rechnet nicht damit, dass einem so ein Unglück selbst zustoßen kann", sagt Carstens mit bedrückter Stimme. Wie die meisten anderen Hausbewohner hat auch er keine Hausratversicherung.
In den Stunden der Not wurde den buchstäblich "abgebrannten" Mietern Hilfe von vielen Seiten zuteil: Drochtersens Bürgermeister Hans-Wilhelm Bösch und sein Vize Jans Eckhoff organisierten in den frühen Morgenstunden die Notunterbringung in der Sporthalle, brachten Frühstück und unterstützten die Opfer bei der Wohnungssuche. Das Rote Kreuz errichtete Feldbetten und stellte Kleidung aus Kleiderkammer zur Verfügung.
• Der Brandschaden wird auf 200.000 Euro geschätzt. Im Einsatz waren rund 70 Feuerwehrleute.