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Angeln statt "Daddeln"

Nanke Heeschen will in Zukunft gemeinsam mit ihrem Freund Stev Weihmeister dicke Fische an Land ziehen (Foto: sum)

Nur mit der Fischerprüfung darf der Fisch an Land gezogen werden

sum. Drochtersen. Wozu dienen die Brust- und Bauchflossen bei einem Fisch? Was ist ein Rogner? Welche Fische besitzen keinen Magen? Auf der Suche nach den richtigen Antworten sind 30 zukünftige Angler, die zur Zeit mit Hilfe von Manfred Gabriel, Karlheinz Herrmann und Udo Hühnecke vom Sportfischerverein „Petri Heil“ Drochtersen für die Fischerprüfung büffeln.
„Unsere Kurse sind immer voll“, freut sich "Manni" Gabriel, Vorsitzender des Angelvereins. Das erscheint in Zeiten der Computerspiele des „Herumdaddelns“ auf dem Handy schon erstaunlich. Doch vielleicht liegt es daran, dass Elbe und Oste in Kehdingen schnell zu erreichen sind und auch der Kotterbachsee auf Krautsand mit Natur pur lockt.

„Ich habe jetzt drei Enkelkinder“, beschreibt Kursteilnehmer Alexander Hänsch (46) aus Drochtersen seine Ambitionen mit einem Lächeln, „wenn die sagen, lass uns mal angeln gehen, brauche ich mich nicht verstecken.“ Er gehört ebenso wie Andre Hafner (47) aus Drochtersen zu den etwas älteren Angelanfängern, die ein neues und entspannendes Hobby suchen.

Doch Angeln ist ohne Fischerprüfung in Niedersachsen kaum möglich. Wer beim Schwarzangeln erwischt wird, muss mit einem Bußgeld von 5.000 Euro rechnen. „Außerdem geht es darum, den Anglern die Natur und den artgerechten Umgang mit den Kreaturen nahezubringen“, erklärt Karlheinz Hermann. Er weist auf § 1 Tierschutzgesetz hin, nach dem ein Wirbeltier nur töten darf, wer die dazu notwendigen Kenntnisse und Fähigkeit hat.

Auch der 14-jährige Florian Hellberg aus Drochtersen hat sich mit seinem Vater zum Kurs angemeldet, um in mehr als 30 Stunden alles zu lernen, was zum Angeln dazugehört. Und das ist nicht gerade wenig. Zunächst einmal müssen die Hobbyangler 360 Fragen zur allgemeinen und besonderen Fischkunde sowie zur Gewässer- und Gerätekunde pauken. In der Prüfung werden 60 dieser Fragen gestellt. Im Februar folgt der praktische Teil. Neben dem Angelzielwurf, das Befestigen des Hakens und die Gewässeranalyse wird auch das artgerechte Töten und Ausnehmen eines Fisches geübt.

Während der ein oder andere Leser an dieser Stelle vielleicht schon ein flaues Magengefühl bekommt, glaubt Nanke Heeschen nicht, dass sie damit ein Problem haben wird. Die 23-Jährige gehört zu einer der wenigen weiblichen Kursteilnehmer. Sie will zukünftig ihren Freund Stev Weihmeister begleiten, der vor zwei Jahren die Fischerprüfung ablegte.

Manfred Gabriel und Karlheinz Hermann sind begeistert, dass der Kurs nach wie vor jedes Jahr "ausgebucht" ist. Nach der erfolgreichen Prüfung findet die schon traditionelle Generalprobe der neuen Angler am vereinseigenen Kotterbachsee statt.

Und wer es jetzt noch wissen möchte: Die Brust- und Bauchflossen dienen als Höhen-, Tiefen- und Seitensteuer. Der weibliche Fisch wird als Rogner bezeichnet und die Weißfische besitzen keinen Magen.