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Bianka Hinrichsen aus Drochtersen: "Ich war klinisch tot"

Mobil mit dem Dreirad: Bianka Hinrichsen
 
An der Beatmungsmaschine: Bianka Hinrichsen stellte die Szene nach, um die vergessene Zeit des Komas psychisch zu verarbeiten

Nach Herzmuskelentzündung: Patientin kämpft sich in den Alltag zurück

tp. Drochtersen. Das herzliche Lachen, das ihr Markenzeichen ist, wäre beinahe für immer verklungen: Bianka Hinrichsen (37) aus Drochtersen kippte von einem Moment auf den anderen um. War klinisch tot. Fünf Mal setzte der Notarzt den Defibrillator an, um das lebensbedrohliche Herzkammerflimmern in Folge einer Herzmuskelentzündung zu beseitigen. Vier Jahre nach dem Notfall kämpft die Mutter einer Tochter (16) noch mit den gesundheitlichen Folgen. Doch sie hat schon viel erreicht.

"Ich hatte mir zu viel zugemutet", sagt Bianka Hinrichsen, die es als Krankenschwester besser hätte wissen müssen. Nach einer nicht auskurierten Erkältung arbeitete sie weiter als Nachtwache in einem Altenheim, trainierte in einem Fitness-Studio und fuhr Inline-Skates. An einem gemütlichen Abend auf dem Sofa dann der unvermittelte Herzstillstand. "Ich riss die Arme hoch, verdrehte die Augen und hörte auf zu atmen", berichtet Bianka Hinrichsen aus Erzählungen eines Bekannten, der zufällig zu Besuch war. "Ich selbst weiß von nichts mehr."

Der Freund alarmierte den Notarzt und führte unter telefonischer Anleitung der Rettungsleitstelle eine Herzdruckmassage durch. Nach dem Eintreffen der Helfer verging noch einmal gut eine Viertelstunde, bis der Notarzt mit dem Defibrillator den Herzschlag wieder in Gang setzte.

Die Patientin wurde zunächst auf der Intensivstation des Elbe Klinikums Stade behandelt. Sie wurde künstlich beatmet. "Ich lag mehrere Tage im Koma." Daran erinnert Bianka Hinrichsen ein nachgestelltes Foto, das sie später von sich machen ließ, "um die gesundheitliche Krise zu verarbeiten".

Ihre Erinnerungen setzen erst wieder in der Reha-Klinik in Plau am See in Mecklenburg-Vorpommern ein. Dort verbrachte die Genesende ein halbes Jahr, musste das Sprechen und feine Bewegungsabläufe neu erlernen. "Ich freue mich, dass ich wieder einer meiner Lieblingsbeschäftigungen, dem Malen und Zeichnen, nachgehen kann", sagt die Kreative und zeigt stolz Bilder von Pferden und Blumen, die ihre Wohnung schmücken.

Es gibt noch viel zu tun: "Ich möchte wieder Inliner fahren", sagt die sportliche Frau, doch seit dem Vorfall vor vier Jahren hat sie Probleme mit dem Gleichgewichtssinn. Vorerst muss sie mit dem Fahrrad mit Stützrädern vorlieb nehmen, mit dem sie inzwischen längere Touren in ihrem Wohnort unternimmt.

Die Kehdingerin, die Rente auf Zeit bezieht, möchte eines Tages in ihren Beruf zurückkehren und eine Fortbildung in der Palliativmedizin absolvieren, um sterbenskranken Patienten durch die letzten Phase ihres Lebens zu begleiten. Sie selbst hat keine Angst vor dem Tod, dem sie einmal so nahe war: "Es ist alles dunkel und still als würde man schlafen", sagt sie mit dem typischen Lachen, das Freunde und Familienmitglieder so an ihr lieben.

Nicht viele, die klinisch tot waren, schaffen es zurück ins Leben. Deshalb ermahnt Bianka Hinrichsen, die einen implantierten Defibrillator in ihrer Brust trägt, Menschen, auf ihre Gesundheit zu achten und sich körperlich nicht zu übernehmen: "Wir haben nur dieses eine, unendlich wertvolle Leben."

Sie möchte Patienten mit ähnlichem Schicksal Mut machen und hat eine Selbsthilfegruppe gegründet. Das nächstes Treffen ist am Montag, 20. Juni, 16 Uhr, im Gemeindehaus St. Martin in Assel.