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„Bis heute gab es null Information"

Martin Groll (2, v. li.), Teamleiter des Netzbetreibers "Tennet" erntete heftige Kritik von Bürgermeistern aus der Region. Sie werfen dem Unternehmen schlechte Informationspolitik vor (Foto: ig)

"Südlink"-Stromtrasse: Bürgermeister aus Drochtersen, Freiburg, Oldendorf und Himmelpforten üben heftige Kritik an Tennet


ig. Drochtersen Es ist eines der größten Projekte der Energiewende: der geplante Stromtrassen-Bau von Wilster im Landkreis Steinburg bis Grafenrheinfeld im unterfränkischen Landkreis Schweinfurt. Im Rahmen der Energiewende soll die "Suedlink"-Leitung bis zum Jahr 2022 den Offshore-Windstrom von Schleswig-Holstein über Nord- und Osthessen ins fränkische Grafenrheinfeld bringen.

Für die Trasse gibt es eine Vielzahl von Routen-Alternativen. Besonders betroffen sind die Gemeinde Drochtersen sowie die Samtgemeinden Oldendorf-Himmelpforten und Nordkehdingen. Planungs-Varianten der "Strom-Autobahn" verlaufen direkt durch die drei Kommunen.

Erfahren davon haben die Gemeindevertreter aber erst aus der Zeitung. Deshalb lud der Bürgermeister der Gemeinde Drochtersen, Hans-Wilhelm Bösch, die Ratsvertreter und den Tennet-Kommunikationleiter Martin Groll kürzlich zu einem Gespräch ins Rathaus ein. Der Teamleiter erntete heftige Kritik. Ihm wurde vorgeworfen, dass die Belange der Bürger in der Region nicht ernst genommen würden. Tennet habe Transparenz versprochen. „Aber die gibt es nicht“, schimpfte der Oldendorfer Bürgermeister Johann Schlichtmann. Engelschoffs Ortschef Heinz Düe setzte noch einen drauf: „Bis heute gab es null Information." Die als Projektdialog angepriesene Öffentlichkeitsarbeit sei eine Farce und reine Augenwischerei.

Burwegs Bürgermeister Matthias Wolff wunderte sich, wie ohne Beteiligung der betroffenen Gemeinden neue Varianten entstehen konnten. Und Himmelpfortens Ortsvorsteher Bernd Reimers glaubt, dass der Netzbetreiber bewusst Informationen zurückhalte. Heftig kritisiert wurde, dass Tennet schon im Jahr 2015 mit konkreteren Plänen in die nächste Planungsphase einsteigen will. "Obwohl Bürger in der Region noch nicht informiert und befragt wurden", so Heino Baumgarten, SPD-Fraktions-Vorsitzender aus Drochtersen.

Im Jahr 2022 müsse die Leitung stehen, betonte Martin Groll. Baubeginn sei im Jahr 2018 oder 2019. Tennet beabsichtigt, 20 Prozent der Leitungen in der Erde zu verlegen. Der Konzern-Vertreter nahm die Kritik an, entschuldigte sich dafür, dass das Projekt hier nicht früher vorgestellt wurde. Er machte aber deutlich, dass es sich nur um Entwürfe handele.

Nun soll alles besser werden: Geplant ist ein Bürger-Informationsabend am Freitag, 19. Dezember, 18 Uhr, in der Eulsethe-Halle in Himmelpforten.