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Die blökenden Deichschützer

(jd). Mit seinen Tieren sorgt Schäfer Frank Mählmann dafür, dass die Deiche an der Elbe den Sturmfluten besser standhalten. Die "Deichschafe" verdichten den Boden und verbessern so die Stabilität der grünen Bollwerke.
 
Deichschäfer Frank Mählmann mit seinen flauschigen "Mitarbeitern" auf der zweiten Deichlinie bei Assel
(jd). Schafe tragen dazu bei, dass die Elbe-Region auch schwere Sturmfluten möglichst unbeschadet übersteht. Auf den Tag genau vor einem Jahr drückte der Orkan "Xaver" die Wassermassen in die Elbe hinein. Die "Nikolausflut" 2013 war die schwerste Sturmflut seit Jahrzehnten. An den Pegeln wurde der zweithöchste Wasserstand aller Zeiten gemessen. Doch eine ernsthafte Gefahr bestand nicht. Überall hielten die Deiche. Einer, der dafür sorgt, dass die grünen Bollwerke immer bestens in Schuss sind, um die Anwohner vor dem "blanken Hans" zu schützen, ist Frank Mählmann. Er hat mehr als 1.000 "Mitarbeiter" im Einsatz, die tagtäglich aktive Deichpflege betreiben. Mählmann ist Deichschäfer und seine vierbeinige Belegschaft besteht aus drei Schafherden, die zwischen Ende März und Anfang Dezember die Deichlinien zwischen Asseler Sand und der Schwingemündung bei Stade abgrasen.

"Die Haltung von Deichschafen ist eine bewährte Form des Küstenschutzes", sagt Hauke Meier, Geschäftsführer des Deichverbandes Kehdingen-Oste. Die weißen Wollknäuel verfügen nämlich über den "goldenen Tritt": Mit ihren Hufen treten die Schafe die Erde fest und verdichten so den Deichkörper.
"Trippelwalze" heißt dafür der Fachausdruck. Die blökenden Deichschützer besitzen zudem den "richtigen Biss": Sie reißen nicht das Gras wie die Kühe, sondern beißen es mit ihren Schneidezähnen kurz über dem Boden ab. "Das fördert eine dichte und gut verwurzelte Grasnarbe", erläutert Meier.

Zum Einzugsbereich seines Verbandes gehören Deiche in einer Gesamtlänge von 162 Kilometern. Dort sind rund 60 Schäfer in Sachen Deichschutz tätig. Allerdings nur zehn von ihnen machen diesen Job hauptberuflich - so wie Mählmann: Der Schäfer aus Oberndorf (Kreis Cuxhaven) lässt seit 25 Jahren seine Tiere an den Elb- und Ostedeichen grasen. Er ist bei Wind und Wetter draußen bei den Tieren. "Mit Hirten-Romantik hat das aber wenig zu tun", meint Mählmann. Er ist meistens mit seinem Pick-up zwischen den drei Herden unterwegs, um seine Schützlinge zu versorgen und weiter zu treiben.

Ohne das Geld, das er vom Deichverband für seinen wertvollen Beitrag zum Küstenschutz erhält, könnte der Deichschäfer wohl längst einpacken. Immer im Herbst verkauft er rund 800 Lämmer, die im Frühjahr geboren wurden. Auch wenn deutsches Lammfleisch heiß begehrt ist, zahlen die Händler nur schlecht. Ganz zu schweigen von der Wolle: "Das Scheren kostet mehr als ich durch den Verkauf der Wolle einnehme", berichtet Mählmann. Ein paar EU-Subventionen gebe es auch noch. Aber das sei kaum der Rede wert.

Rechtzeitig bevor die ersten Winterstürme über die Küste hereinbrechen und die Fluten bis gegen die Deiche branden, bringt Mählmann seine Schäfchen ins Trockene. Der größte Teil der Tiere ist bereits mit dem LKW ins Winterquartier verfrachtet worden. Rund 200 Schafe lässt er noch ein paar Tage auf dem alten Deich bei Assel weiden, wo noch recht hohes Gras steht. So spart sich Mählmann das teure Zufüttern mit Heu.

Danach bricht der Schäfer mit seiner Herde Richtung Heimat auf - und begleitet sie dabei auf Schusters Rappen. Das klingt zwar sehr idyllisch, doch dahinter stecken ganz praktische Erwägungen: Ein weiterer Viehtransport wäre einfach zu teuer. Und ein nächtliches Lagerfeuer entzündet die Schäfer auch nicht auf seiner Tour. Seine Frau holt ihn jeden Abend ab, damit er zu Hause im warmen Bett liegen kann.