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Dubioser Doktor als Gnadenhof-Chef in Kehdingen

Praktikant, Spender und schließlich Tierhof-Chef: der angebliche Arzt Dr. Leo Triwonov mit Tierschützerin Heidi Aschmuteit (Foto: Tierhof Stade)
 
Cornelia Haak (re.) und Beate Dowson, "Tierhilfe Stade" (Foto: Archiv)

Hochstapler oder reicher Retter mit Herz? Dr. Leo Triwonov soll Tierhof Stade übernehmen

tp. Drochtersen. Im Kampf um den Erhalt ihres "Tierhofes Stade" in Drochtersen sind der Leiterin Heidi Aschmuteit (59) offenbar unkonventionelle Mittel recht. Die Tierschützerin, die, wie berichtet, wegen angeblicher Verstöße gegen das Tierschutzgesetz im Rechtsstreit mit dem Kreis-Veterinäramt Stade liegt, hat nach eigenem Bekunden ihrem ehemaligen Praktikanten die Leitung der Einrichtung übertragen: Der junge Mann aus Kehdingen gibt sich als wohlhabender Arzt Dr. med. Leo Triwonov (20) aus.

Zuletzt machte Heidi Aschmuteit im WOCHENBLATT Negativ-Schlagzeilen, nachdem sie die inzwischen verstorbene Katze "Gabi" in einem desolaten Gesundheitszustand an eine neue Halterin vermittelte. Zudem steht sie nach eigenen Angaben bereits seit kurz nach der Eröffnung des "Tierhofes Stade" vor rund sieben Jahren u.a. wegen baulicher Beanstandungen in der Kritik und unter Beobachtung des Veterinäramtes. Die Behörde weigert sich jetzt, Aschmuteit die Lizenz zum Betreiben der Tierheim-ähnlichen Einrichtung zu verlängern.

Mit der Übereignung des aus rund 85 Hunden, Pferden, Ziegen, Katzen etc. bestehenden Tierbestandes an Leo Triwonov, dem sie zudem Haus und Hof zur kostenlosen Nutzung zur Verfügung stelle, soll die Anlage im abgeschiedenen Dornbuschermoor gerettet werden. Mit einem Anwalt, so Aschmuteit, wolle Triwonov als neuer Betreiber seinerseits die Genehmigung des privaten Tierheimes beantragen. Aschmuteit, die künftig als Triwonovs Managerin arbeiten wolle, blickt zuversichtlich in die Zukunft und glaubt an den Erhalt des Gnadenhofes, der ihr Lebenswerk ist.

Doch angesichts der unglaubwürdig anmutenden Vita des angeblichen Jung-Mediziners hegen selbst wohlwollende Beobachter Zweifel am Gelingen der personellen Transaktion: "Ja, ich bin tatsächlich Arzt. Ich habe mein Studium nach entsprechender Leistung in der allgemeinbildenden Schule im Alter von 14 Jahren in Moskau begonnen und es zum 1. März 2017 abgeschlossen. Leider bin ich noch nicht befugt, zu praktizieren, auch wenn ich dies gern würde", teilt Leo Triwonov dem WOCHENBLATT schriftlich mit.

Beim Ortstermin in seiner Wohnung in Drochtersen konnte Triwonov - entgegen seiner Ankündigung - weder Ausweis noch Studiendokumente oder sonstige Papiere vorlegen. Dass sie einem möglichen Hochstapler auf den Leim gehen könnte, davon will Aschmuteit nichts wissen. Spätestens nachdem ihr der Ex-Praktikant, der sich ferner als Aktienanteilseigner eines Medienunternehmens ausgibt, ihr eine Spende von 4.000 Euro überreichte, glaubt sie an das Glück: "Es gibt Märchen, die wahr werden."

Laut Heidi Aschmuteit übernahm Triwonov den Tierhof bereits am 21. April und hat seitdem zwei zusätzliche Tierpfleger-Azubis eingestellt. Er arbeite zudem an einem neuen Internet-Auftritt.

Der Ärztekammer Stade ist kein "Dr. Leo Triwonov" bekannt.

Kreis-Veterinärin Dr. Sibylle Witthöft will sich aufgrund der laufenden Gerichtsverfahren nicht zu der Angelegenheit äußern.


"Die Negativ-Meldungen sind keine Einzelfälle"

Kritische Leserbriefe zum Fall "Heidi Aschmuteit - Tierschützerin vor Gericht"

(tp). In kritischen Leserbriefen melden sich Insider zu Wort, nachdem das WOCHENBLATT in dem Artikel "Tierschüterin vor Gericht" über die Schwierigkeiten der Betreiberin des "Tierhofes Stade", Heidi Aschmuteit, mit dem Kreis-Veterinäramt Stade als Kontrollbehörde berichtete:

Johanna Spieck aus Stade:
"Ich finde es gut, dass endlich mal öffentlich darüber berichtet wird und dass es Tierärzte gibt, die in der Lage sind, über den Hof zu urteilen. Seit Jahren gibt es auf dem Hof immer wieder Missstände, kranke Tiere aus Rumänien werde als deutsche Tiere verkauft und sowohl die Hunde als auch die Katzen leben unter nicht tragbaren Bedingungen! Ich war schon oft auf dem Hof und habe mich für ein Tier interessiert.

Wenn man unbeobachtet ist sieht man die grausamsten Dinge. Die Tiere auf dem Hof müssen sehr leiden, sind oft sehr, sehr krank und leben unter nicht tiergerechten Bedingungen! Ich unterstütze die Schließung und drücke den Tieren die Daumen. Es handelt sich um falsch verstandene Tierliebe.

Cornelia Haak und Beate Dowson, Tierschutzverein Tierhilfe Stade:
"Hochachtung vor der Tierärztin, die diesen krassen Tierschutzfall vor Gericht gebracht hat. Auch unser Verein hat schon mehrere Anzeigen an das Veterinäramt bzgl. des Verdachts auf tierschutzwidrige Haltung auf dem Tierhof Stade in Drochtersen gestellt. Daraufhin wurde uns durch einen Anwalt der Frau Aschmuteit eine Unterlassungsaufforderung zugestellt.

Selbstverständlich ist es jedermanns Recht und auch die Pflicht, bei Verdacht gegen einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz eine Anzeige zu machen. Leider ist es immer schwer, Tierschutzfälle anzuzeigen, wenn Zeugen Angst haben, sich namentlich zu melden. Daran scheitert es oft und die Anzeige bleibt erfolglos.

Der Name Heidi Aschmuteit ist seit Jahren negativ besetzt. Als ehemalige Tierheimleiterin des Tierheimes Stade-Hagen wurde sie aufgefordert, von jetzt auf gleich das Tierheim zu verlassen. Danach häuften sich die Negativ-Schlagzeilen, wie man auch im WOCHENBLATT nachlesen konnte. Es blieb ihr nichts anderes übrig, als einen privaten Tierhof zu gründen. Es können immer mal Fehler passieren, aber die Negativ-Meldungen, die uns von Bürgern übermittelt wurden und anhand dessen wir auch Anzeige erstattet haben, sind keine Einzelfälle mehr. Hier muss endlich von Seiten des zuständigen Veterinäramtes gehandelt werden.

Das Betrübliche an solchen Schlagzeilen ist, dass leider immer die gesamte Tierschutzszene im Landkreis Stade durch solche Vorfälle Schaden nimmt. Nicht umsonst hat der Tierschutz so einen schlechten Stand, begründet durch solche 'Tierschützer', die u.a. auch mit rüden Methoden versuchen, unliebsame Zeugen zu bedrohen (s. unsere Facebook-Seite), um sie einzuschüchtern.Frau Aschmuteit hat als Tierhof-Leiterin versucht, mit 'Dumping-Preisen' Fundtierverträge mit Kommunen zu schließen. Die Folgen davon sieht man jetzt anhand des Falles der armen Katze Gabi.

Möglicherweise sind es auch finanzielle Probleme, die dazu beigetragen haben, dass der Katze nicht die nötige Behandlung rechtzeitig zuteil wurde, denn als 'engagierte Tierschützerin', wie sie sich selbst bezeichnet, hätte sie das Leid der Katze umgehend abstellen müssen. Kosten dürfen da keine Rolle spielen und sind von einer Würdigung der Umstände des Einzelfalles abhängig. Hoffen wir, dass in Zukunft von Seiten der Behörden genauer hingeschaut wird. Nicht überall, wo Tierschutz drauf steht, ist auch Tierschutz drin."