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Ein Kehdinger unter Indianern und Aussteigern

Hisste auf dem Yukon River die Krautsand-Flagge: Daniel Dralle (Foto: Langlo/Dralle)

Daniel Dralle (27) von der Elbinsel Krautsand erkundete fremdes Kanu-Revier am Yukon River in Kanada

tp. Krautsand. 3.120 Kilometer wilder Flusslauf, an den Ufern Strände, Hügel, Wälder und ab und zu ein abgelegenes Dorf mit Ureinwohnern: Völlig fremdes Terrain erkundete Wassersportler Daniel Dralle (27) aus Drochtersen. Gemeinsam mit einem Freund bereiste der Kehdinger den Yukon River in Kanada per Kanu und Floß.

Das Paddeln lernte Daniel Dralle auf der Elbe, der Wischhafener Süderelbe und dem Ruthenstrom auf seiner Heimat-Insel Krautsand, wo er Mitglied des Vereins Hafengemeinschaft ist. „Dann wollte ich ein neues Revier entdecken“, sagt der Ingenieur der Verfahrenstechnik. In seinem damaligen Studienkollegen Ole Langlo (28) fand er einen unternehmungslustigen Reisegefährten.

Das sportliche Duo entschied sich auf Ratschlag von Oles Vater, der den Yukon als junger Mann selbst erkundete, für einen 1.500 Kilometer langen Abschnitt des fünftgrößten Stromes Nordamerikas, in dem glasklares, eiskaltes Wasser teils in reißenden Strömungen fließt.

Während des Goldrausches kam dem Yukon eine große Bedeutung als Transportweg zu. Im Gebiet zwischen den Goldgräberstädten Whitehorse und Dawson City fanden die Freunde ein „Technik-Dinosaurier“ aus der Schürfer-Ära: eine alte Goldmühle mit Förderband und Baggerschaufel, die an einem sumpfigen Ufer rostete.

„Spannend waren die Begegnungen mit völlig unterschiedlichen Menschen“, berichtet Daniel Dralle. Einem Aussteiger-Ehepaar, das mit seinen vier Kindern in der Abgeschiedenheit des Yukon-Territoriums ein Einsiedlerleben führt, halfen Daniel und Ole beim Transport eines Klaviers. „Nach dem Schleppen servierte uns die Mutter eine leckere Mahlzeit.“

Die jungen Abenteurer speisten auch mit Indianern. Unter der Urbevölkerung hat die Moderne Einzug gehalten. Smartphones sind verbreitet. Das Lagerfeuer wird mit Streichhölzern und Benzin entfacht.

Gesprächsstoff mit Fremden lieferte die auffällige Flagge mit der Aufschrift „Unabhängigkeit für Krautsand“, die am Mast des selbstgebauten Floßes flatterte. Im fernen Kanada kannte allerdings niemand das kleine Eiland an der Unterelbe. „Immerhin konnten die meisten etwas mit der nächsten Großstand, Hamburg, anfangen“, berichtet Daniel Dralle.

Der zweimonatigen Yukon-Trip machte Lust auf das nächste Reisewagnis: Daniel und Ole wollen die Schären, eine Felseninsel-Region in Skandinavien, mit Hochsee-Kajaks befahren. Diesmal kommen auch die Freundinnen der beiden Abenteurer mit.