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Ein Kehdinger zwischen Ludern und Eisbären

Vereins-Kassenwart Manfred Kutz mit zwei Gefrierbeuteln voll Leber

60 Jahre Kalthausgemeinschaft Drochtersen: Manfred Kutz (78) ist Herr über 135 Kühltresore

tp. Drochtersen. Säue, Bullen, Böcke - eine Organisation in Kehdingen macht sie alle kalt. Seit 60 Jahren gibt es die Kalthausgemeinschaft Drochtersen. Herr über die 135 Tresore ist seit 1979 Manfred Kutz (78), Kassenwart des Vereins.

Der korrekte Ex-Buchhalter wohnt ein paar Schritte entfernt vom Kalthaus nahe der Schule. Das Gemeinschaftskühlhaus, eines der letzten seiner Art im Landkreis Stade, fiel dem Verein 2002 durch einen Grundstückstausch zu. Den Altbau von 1956 ließ die Gemeinde im Zuge der Ortskernsanierung abreißen und ersetzte ihn durch den modernen 60-Quatratmeter-Neubau. Er verfügt über eine Vorkühlung zum Schock-Frosten auf minus 28 Grad, Abhänge-Raum mit fingerdicken Fleischhaken und zwei Trakte mit Eisfächern, die für die Mitglieder rund um die Uhr zugänglich sind.

Viel Kühlraum zum kleinen Preis: Diese Idee hat sich seit der Vereinsgründung am eisigen Nikolaustag 1955 bewährt. Wenngleich sich die Stromkosten seitdem vervielfacht haben, gelingt dem sparsamen Vereins-Geschäftsführer Kutz jährlich eine schwarze Null in der Bilanz.

Für fünf Euro pro Monat bekommt jedes der 70 Mitglieder, darunter viele Landwirte und Jäger, eine mit einem Vorhängeschloss verriegelte Box, die mit 200 Litern Volumen Platz für Schweine- und Rinderhälften und Körbe voll Kirschen und Äpfel von den umliegenden Plantagen bietet.

Kühlhaus-Kenner Kutz kritisiert die Kehrseite der sicheren und langfristigen Aufbewahrungsmöglichkeit: "Vieles wird vergessen." Regelmäßig räumt der ordungsliebende Kaufmann gründlich auf. Früher brachte er Wurst, Schinken und Feldfrüchte, die herrenlos im Vorfroster lagen, ins Altenheim, wo der Koch Leckeres für die Senioren daraus zubereitete. Seit Einführung strenger Hygienegesetze ist das verboten.

Kutz findet trotzdem für vieles Verwendung: Zwei verwaiste Beutel Rinderleber bringt er zu den Jägern - "als Luder für die Fuchsjagd". Kuriosester Fund in den Kühlregalen war ein Eisbär-Teddy. Eine Großmutter hatte das Stofftier zur Sterilisation ins Kalthaus gestellt, als im Kindergarten ihres Enkels die Läuseplage grassierte.

Kutz hat sein eigenes Kühlfach aufgegeben: "Lohnt sich nicht mehr, meine beiden Kinder sind aus dem Haus." Viele Kehdinger Familien hingegen halten seit Jahrzehnten an der Kühlhaustradition fest, sodass die Anlage gut ausgelastet ist. Das, so Kutz, liege vor allem an den in Kehdingen noch verbreiteten Hausschlachtungen und den zahlreichen Obstgärten.

• Tel. 04143 - 6246 (Manfred Kutz).