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Ethik-Komitee zu Gast in Drochtersen

Dr. Jörg Igloffstein (v.li.), Rüdiger Wüpper und Prof. Dr. Burkhard Helmke (re.) vom Ethik-Komitee informierten die Schüler gemeinsam mit Rechtsanwalt Eberhard Osthus (3.v.li.) über das Thema Sterbehilfe (Foto: Silke Umland)

Abiturienten der Elbmarschenschule befassen sich mit dem Thema Sterbehilfe

sum. Drochtersen. Mit ethischen Entscheidungen in medizinischen Notlagen und am Lebensende und insbesondere der „Sterbehilfe“ beschäftigen sich derzeit die Religionskurse des 12. Jahrgangs der Elbmarschenschule Drochtersen. Um möglichst viele Fragen der Schüler beantworten zu können, lud Schulpastor Dominik Wolff in der vergangenen Woche einige Mitglieder des Ethik-Komitees der Elbe-Kliniken sowie Rechtsanwalt Eberhard Osthus aus Stade zu einem Vortrag in die Schule ein.

Neurologe Dr. Jörg Igloffstein erläuterte den jungen Zuhörern zunächst die Arbeit der Ärzte, die grundsätzlich aus den drei Bausteinen Krankheiten erkennen, Beschwerden lindern und Leben verlängern besteht. „Lange wurde übersehen, dass es aber auch eine vierte Aufgabe gibt,“ erzählte der Arzt den Schülern. „Wenn ein Leiden lange dauert und zum Tode führt, soll dem Patienten dieser letzte Lebensabschnitt erleichtert werden,“ beschrieb er eine Aufgabe der Palliativmedizin. Er erläuterte die passive Sterbehilfe, bei der beispielsweise eine nicht erfolgversprechende Therapie eingestellt wird sowie die in Deutschland nach wie vor verbotene aktive Sterbehilfe, also die Tötung auf Verlangen.

Doch er stellte auch die weitere Handlungsmöglichkeit „Ärztliche Assistenz bei der Selbsttötung“ mit der Frage in den Raum: „Wenn ein Patient aufgrund der Krankheit seinem Leben ein Ende setzen will, darf ein Arzt ihm dabei helfen?“ Um Missverständnisse von vornherein auszuschließen, stellte Dr. Jörg Igloffstein den Schülern eindeutig klar, dass sich diese Frage natürlich nicht bei Liebeskummer oder Depressionen stellt. Er erläuterte auf Rückfrage eines Schülers, dass es zwar langsam zu einem Umdenken kommt, die Rechtssituation in Deutschland aber nach wie vor schwierig ist. Ärzte fürchten den § 217 StGB, nach dem die „geschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung“ bestraft wird. Und in der Berufsordnung der Ärztekammer Niedersachsen steht zum Beispiel, dass Ärzte den Sterbenden unter Wahrung ihrer Würde und unter Achtung ihres Willens beizustehen haben, es ihnen jedoch verboten ist, Patienten auf Verlangen zu töten und keine Hilfe zur Selbsttötung leisten dürfen.

Inwiefern auch Patientenverfügungen und Betreuungsvollmachten bei dem Willen eines Patienten zu berücksichtigen sind, beschrieb Rechtsanwalt Eberhard Osthus den interessierten Schülern, die mit den neu errungenen Kenntnissen anschließend die Möglichkeit hatten, gemeinsam mit Prof. Dr. med. Burkhard Helmke vier verschiedene Fälle des Ethik-Komitees zu „behandeln“ und zu entscheiden, wie sie zum Wohle des Patienten weiter vorgegangen wären.