Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Mit dem Laster 162 mal "um die ganze Welt"

Trucker Heinz-Georg Schwoon in den 1980er Jahren mit einem seiner ersten Lastwagen. Damals fuhr er für eine Stader Spedition
 
Mit Frachtpapieren im Lkw-Führerhaus in den 1990er Jahren: Heinz-Georg Schwoon (Foto: Schwoon privat)

Nach vier Jahrzehnten auf Achse: Vollblut-Trucker Heinz-Georg Schwoon (63) steigt vom Bock

tp. Drochtersen. "Einmal um die ganze Welt", davon träumt Sänger Karel Gott in seinem gleichnamigen Schlager: "Das ist doch gar nichts", winkt Trucker-Urgestein Heinz-Georg Schwoon (63) aus Drochtersen ab. In seinem langen Berufsleben als Lastwagen- und Busfahrer "riss" er nach eigenen Berechnungen rund 6,5 Millionen Kilometer am Steuer schwerer Fahrzeuge "ab". Das entspricht gut 162 Erdumrundungen! Nach rund vier Jahrzehnten auf Achse stieg der Vollblut-Trucker nun endgültig vom Bock.

In seinem Haus in Drochtersen, wo er mit seiner dritten Ehefrau den Ruhestand genießt, breitet der drahtige Mittsechziger, den alle nur "Schwooni" nennen, stolz Fotos aus seinen Anfangszeiten als Kraftfahrer aus. Hier ein Reiseschnappschuss mit Rentnern in Prag, da im Führerhaus eines Fruchtlasters in Rotterdam - immer mit einem schelmischen Lächeln unter dem breiten Schnauzbart.

Seinen gelernten Beruf, Bäcker, übte der Vater von zwei erwachsenen Kindern nur kurz aus: Nach Jobs als Tresenkraft und Geschäftsführer der Stader "Begu-Bar", Taxifahrer und Bierlieferant schulte er 1975 zum Berufskraftfahrer um. In den ersten Jahren chauffierte er Senioren-Busgruppen in die Alpen Österreichs oder fidele Damen-Kegeltruppen ins Vergnügungswochenende ohne Ehemänner.

1979 stieg "Schwooni" auf Lkw um, steuerte seinen Truck geduldig im Schritttempo über die Kassler Berge, um Chemikalien aus dem Stader Dow-Werk nach Südfrankreich zu bringen und Wein aus Italien zu holen. Der Arbeitsplatz war alles andere als komfortabel: keine Klimaanlage, leistungsschwache Standheizung. "Da hieß es im Winter bibbern und im Sommer schwitzen bei 50 Grad."

In einem harten Winter schneite "Schwooni" mit seine Truck drei Tage am Brenner ein. Da schaufelte er gemeinsam mit anderen Fernfahrern Schneeverwehungen weg und teilte sich mit ihnen das letzte Brot und die letzte Ration heißen Kaffees. Durch die wetterbedingte Zwangspause ging wieder einmal ein Wochenende daheim verloren. Ein Telefonat mit der Familie war erst an der nächsten Rasthof-Telefonzelle möglich.

Vor der Handy-Ära wurde hauptsächlich gefunkt: Auf dem "Trucker-Kanal 9" redete sich auch schon mancher Asphalt-Cowboy seinen Seitensprung mit einer Prostituierten und seine Eheprobleme von der Seele und hunderte Kollegen hörten mit.

Kurzzeitig versuchte es "Schwooni" mit einem wohnortnahen Tätigkeit als Stadtbusfahrer bei der KVG in Stade: "Von Milchkanne zu Milchkanne, das war nichts für mich", sagt der leidenschaftliche Trucker, der sich nach langen Touren in den Süden Europas zurücksehnte, auf denen beim Blick durchs Fenster norddeutsche Backsteinhäuser langsam zu bayrischen Kirchen mit Zwiebeltürmen und Radiosender von NDR zu SWR wechseln.

Das letzte Vierteljahrhundert blieb "Schwooni" Fernfahrer auf einem 40-Tonner: In dieser Zeit wich die Romantik der Technik. Mit der PS-Zahl von früher 200 auf nun 480 und der Ausstattung der "Brummis" mit Komfortkabinen, TV und Navi wuchsen die Anforderungen an die Fahrer, die immer mehr Touren in derselben Zeit schaffen müssen. Mit Renteneintritt fiel eine Menge Stress von "Schwooni" ab, doch ganz kann er den Fuß nicht vom Gas lassen: Ab und zu bringt er für eine Autovermietung Leihwagen von A nach B.