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Ruine unter Schutz

Der Wunsch vieler Bürger aus Assel, dass der Schandfleck in der Schmiedestraße für immer verschwindet, scheitert zur Zeit am Denkmalschutz (Foto: sum)

Einstiges Schmuckstück in Assel gilt heute als Schandfleck

sum. Drochtersen-Assel. Kulturdenkmäler sind zu schützen, zu pflegen und wissenschaftlich zu erforschen. So steht es in § 1 des Niedersächsischen Denkmalschutzgesetzes. Doch steht ein Baudenkmal erst mal unter Schutz, bestehen kaum Chancen, aus dieser Nummer wieder rauszukommen. Auch bei dem langsam in sich zusammenfallenden Bauernhaus in der Schmiedestraße in Drochtersen-Assel ist es gerade der Denkmalschutz, der es dem Eigentümer unmöglich macht, das Gebäude abzureißen oder zu verkaufen.

„Es ist wirklich schade um das alte Haus,“, erklären Hanna und Adolf Meyer, die schon lange in der Schmiedestraße in Assel wohnen und den Verfall quasi live miterleben. „Früher war das ein großer Bauernhof mit einem wunderschönen Garten“, erinnert sich Hanna Meyer. Vor mehreren Jahren erwarb ein Ehepaar das eingetragene Baudenkmal. „Der Mann hat immer viel daran gemacht“, erinnert sich die Nachbarin. Doch trotz der Bemühungen nagte der Zahn der Zeit an dem alten Gebäude.

Die Eigentümer trennten sich schließlich und seit etwa fünf Jahren steht das Haus leer. Der Ehemann wohnt heute in Brasilien. „Die ersten Jahre kam er noch regelmäßig her und versuchte immer, das undichte Dach zu reparieren“, erzählt ein weiterer Nachbar, der sich um die Post der Eheleute kümmerte und im Winter das Haus heizte, „doch irgendwann hat er Wasser und Strom abstellen lassen.“

Das war das Ende des einstigen Schmuckstücks. Vor knapp zwei Jahren stürzte der mittlere Teil des Reetdaches in sich zusammen und das Haus wird regelmäßig von Einbrechern heimgesucht. Die Gemeinde stellte aus Sicherheitsgründen einen Bauzaun auf und verbarrikadierte vor Kurzem die zerstörten Fenster und Türen. Mehr kann sie derzeit nicht unternehmen. Das Gerücht, dass die Gemeinde das Haus gekauft oder gar geschenkt bekommen hat, dementiert Bürgermeister Mike Eckhoff. Der Eigentümer würde das Haus wohl sofort verkaufen - doch wer schafft sich schon eine unter Schutz stehende Ruine an? Die Gemeinde steht bereits im Kontakt mit den Denkmalschutzbehörden, um eine Aufhebung der Unterschutzstellung zu erreichen. Doch mit einer schnellen Lösung ist wohl kaum zu rechnen. Insbesondere auch deshalb, weil bei einem Vor-Ort-Termin im vergangenen Jahr von Fachgutachtern bestätigt wurde, dass das Haus nicht einsturzgefährdet sei und keine Gefahr für die Nachbarschaft darstelle.

„Das Haus muss weg“, sind sich die Eheleute Meyer mit vielen Nachbarn einig. Auch in den sozialen Medien ist der Schandfleck ein Thema. „In diesem Zustand stellt das Objekt nur ein Denkmal für unsinnige staatlich verordnete Bauvorschriften dar, die sich kein Ottonormalverbraucher leisten kann“, schreibt eine Asselerin.