Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Schneewalzer und Rock'n'Roll

Versierte Instrumentalistin: Rita Horwege unterrichtete Gitarre und Akkordeon

Vielseitig: Rita Horwege (81) bildete mehr als 1.000 Musikschüler aus


tp. Drochtersen. Sie ist die wohl älteste und fleißigste Musiklehrerin im Süden der Elbe: Rita Horwege (81). Die gestandene Akkordeon-Spielerin und Gitarristin aus Drochtersen hatte in ihrem Leben mehr als 1.000 Schüler.
Als Elfjährige begann Rita Horwege mit dem Akkordeonspielen. Es war mitten im Zweiten Weltkrieg und das "Schifferklavier" das Trend-Instrument junger Leute. Weil es noch kaum Plattenspieler gab, wurde Musik über Masseninstrumente wie der Ziehharmonika verbreitet. Jugendliche feierten zu den flotten Melodien von "Zirkus Renz" oder "Tanzende Finger". Amerikanische Soldaten brachten heiße Jazz-Nummern wie "In the Mood" nach Deutschland. Rita Horwege erarbeitete sich ein breites Repertoire, gab jeden Pfennig für Noten aus.
In einem Stader Musikgeschäft wurde eine Verkäuferin auf das große Talent der damals 18-Jährigen aufmerksam und setzte ihr einen Floh ins Ohr: "Mädchen, du musst nach Trossingen." In der schwäbischen Stadt liegt der Stammsitz der renommierten Akkordeon-Werke Hohner. Die städtische Musikschule Trossingen war Ausbildungszentrum für Harmonika-Lehrer.
Rita Horwege ging vorzeitig vom Mädchengymnasium ab und ließ sich in Trossingen zur staatlich geprüften "Musikerzieherin für Harmonika-Instrumente" ausbilden. Nach zweieinhalb Jahren hielt sie stolz ihre Abschluss-Urkunde in den Händen.
Zurück in Norddeutschland, unterrichtete sie zuerst im von Bombenangriffen zerstörten Hamburg und dann in der eigenen privaten Musikschule in Drochtersen.
"Meine Fähigkeiten waren gefragt, denn viele männliche Musiklehrer waren im Krieg gefallen", erinnert sich Rita Horwege, die sich neben ihrem zeitaufwändigen Job um den Haushalt kümmerte und zwei Kinder großzog.
Als in der 60er Jahren die Beat-Welle übers Land rollte, gerieten Akkorden und der "Schneewalzer" außer Mode, und Rita Horwege bot Unterricht auf ihrem Zweitinstrument, der Gitarre an. "Bei einem Schülerkonzert verkleidete ich mich als Rock 'n' Roller", erinnert sich Rita Horwege an eine wilde Show zu Bill Haleys "Rock around the Clock".
"Schülerkonzerte waren für mich die beste Werbung", sagt Rita Horwege. Im Laufe ihrer Karriere bildete sie knapp 1.100 Instrumentalisten aus, von denen einige Profimusiker wurden. Rita Horwege unterrichtet heute nur noch nebenbei. Als sie ihre Musikschule vor einigen Jahren schloss, um ihren schwerkranken Mann (†89) zu pflegen, habe sie "Tränen vergossen", sagt Rita Horwege, "denn Musik war mein Leben".