Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Zum ersten Mal "angezapft"

Nachdem ein halber Liter Blut "abgezapft" wurde, sieht Silke Umland zwar etwas "erschöpft" aus, aber es geht ihr gut
Drochtersen: Dorfgemeinschaftshaus Hüll |

WOCHENBLATT-Mitarbeiterin Silke Umland: "Jetzt gehöre ich zu den 7.950 Rot-Kreuz-Blutspendern im Kreis"


sum. Hüll.Da saß ich nun auf dem Stuhl und meine Hände waren total feucht. „Bitte kippe hier nicht um, das wäre echt peinlich,“ dachte ich die ganze Zeit. Hatte mir meine Nachbarin doch nachmittags noch vom letzten Mal erzählt, als so viele wegen des schwülen Wetters „rumgegangen“ sind. Aber zum Weglaufen war es zu spät, schon wird mein Arm von der Helferin abgebunden. „Machen sie bitte eine Faust und atmen sie tief ein,“ bat sie mich und mit einem kurzen „Pieks“ saß die Nadel in meinem Arm und der rote Saft sickerte durch einen Schlauch in den neben mir liegenden Beutel. So einfach hatte ich mir meine erste Blutspende gar nicht vorgestellt.

Dabei hatte ich schon ein bisschen das Gefühl, auf einer Rallye mit acht Stationen zu sein. Angefangen mit der Anmeldung, wo mir erst mal ein Aufkleber mit der Aufschrift „Erstspender“ verpasst wurde, ging es weiter zum Ausfüllen eines Fragebogens mit diversen Gesundheitsfragen. Station drei bedeutete Fieber messen und ein kleiner Pieks in den Mittelfinger zur Bestimmung des Blutfarbstoffwertes, der nicht zu niedrig sein darf. Auf der Hälfte des Marathons empfing mich der Team-Arzt des Blutspendedienstes, der meinen Fragenbogen und meinen Blutdruck prüfte, mir als Erstspenderin alle Risiken erläuterte und mich anschließend zur Ausgabestation scheuchte, wo ich mit Blutspendebeutel und diversen Röhrchen „bewaffnet“ wurde.

„Die letzte Chance zur Flucht,“ dachte ich mir, als die freundliche Rot-Kreuz-Helferin fragte: „Wollen sie mit dem rechten oder linken Arm spenden?“ Das war mir völlig egal und ich nahm auf einem bequemen roten Stuhl für „Rechts-Spender“ Platz. Tja, und dann hatte ich innerhalb von zehn Minuten den ersten halben Liter meines kostbaren Lebenssaftes zur Verfügung gestellt. „Geht es Ihnen gut?“ wurde ich gefragt. Und ja: Mir ging es gut, keine Übelkeit, keine Kreislaufschwierigkeiten und nach einer zehnminütigen Ruhezeit konnte ich schon im Nebenraum Platz nehmen und mich mit einem leckeren Schnitzel mit Kartoffel- und Nudelsalat stärken.

Auf einmal wurde mir klar, dass ich mich in den vergangenen zwanzig Jahren nur aus Angst um diese Aufgabe gedrückt habe. Immer hatte ich eine Ausrede: Ich bin zu jung, schwanger, krank, unpässlich, habe keinen Einhüter oder einfach keine Zeit. Doch jetzt endlich gehöre ich zu den 7.950 „Angezapften“ im Landkreis Stade und mit weniger als vierzig Lebensjahren genau zu der Zielgruppe, die das Rote Kreuz dringend als nachfolgende Blutspende-Generation braucht.

Und so konnte ich mit dem Gefühl, etwas Gutes getan zu haben, einem Blutspendeauweis in der Tasche, einem Kinogutschein als Belohnung für meine Erstpende in der Hand und der Gewissheit: "Jetzt gehe ich regelmäßig Blut spenden,“ wieder nach Hause gehen.