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"Das ist Umsatz-Kannibalismus"

Der beliebte Edeka-Betrieb in Assel

Netto will in Assel einen Discounter errichten / Politik und Bürger sehen die Ansiedlung mit großer Sorge

ig. Assel. Göran Nickel ist sauer, spricht von Umsatz-Kannibalismus. Der Kaufmann betreibt in der dritten Generation den Edeka-Markt in Assel. Und sieht jetzt seine Existenz und die einer 17 Mitarbeiter in Gefahr. Hintergrund des Unmuts: In dem Drochterser Ortsteil plant die Bremer Wohnungsbau Immobilien- und Objekt-Gesellschaft auf dem Gelände neben der Tankstelle und "Netto" den Bau eines Discount-Marktes mit einer Grundfläche von 1000 Quadratmetern.
Sollte der Bau grünes Licht von der Politik bekommen, dann könne er seinen Betrieb dicht machen. Und mit ihm werde eine Bäcker-Filiale ebenfalls ihre Pforten schließen, so Nickel. Der Lebensmittel-Sektor sei doch in Drochtersen schon mehr als gut besetzt. "Was soll noch ein weiterer Markt hier?" Die Pläne seien für seinen Betrieb vernichtend.
Auch Rat und Verwaltung betrachten das Vorhaben skeptisch und mit großer Sorge. Auf der Sitzung des Gemeinde-Planungsausschusses, auf der Netto-Expansionsleiterin Michaela Hammann das Projekt vorstellte, hagelte es schon Kritik. Netto sei doch eine Tochtergesellschaft von Edeka. "Macht es dann Sinn, sich selbst Konkurrenz zu machen?", wurde gefragt. Die Antwort: Die Konkurrenz werde bewusst in Kauf genommen. Man fahre zweigleisig. Netto sei so etwas wie ein "Zwitter", fahre ein anderes Sortiment als der klassische EDEKA-Betrieb. "Wir schließen ein Lücke in der Nahversorgung, bieten ein Sortiment in Höhe von 3.800 Artikeln", so die Sprecherin. Nach ihrer Meinung könne der Nickel-Betrieb von der Ansiedlung profitieren. "Wir sind kein Teufelswerk."
Die Politik und Asseler Bürger sehen das anders. Inzwischen haben schon mehr als 900 Bürger per Unterschriften-Sammlung, initiiert von Kaufmann Nickel, sich gegen den Netto-Markt entschieden. Auch Verwaltung und Rat wollen jetzt klären, ob überhaupt Bedarf für einen neuen Markt Bedarf bestehe. "Schließlich haben wir für den Traditionsbetrieb eine Fürsorgepflicht", befand Peter Eggers (Grüne). Der Asseler Wilfried Barwig (SPD) wies auf den großen Leerstände in Assel hin. "Wenn Netto kommt, werden weitere Immobilien leer stehen."
Nickel verweist auch auf die Besonderheiten seines Betriebes: "Sollte sich der Discounter durchsetzen und wir schließen müssen, fehlen in Assel 4.000 Artikel des täglichen Bedarfs. Wir haben ein Vollsortiment in Höhe von 7.500 Artikeln, bieten Post-Service, Lotto-Verkaufsstelle, Reinigungsannahme, Lieferservice und Catering. Das würde alles wegfallen."
Er möchte noch mehr als zehn Jahre weiter machen, sei sicher, dass er einen Nachfolger für einen gut laufenden Betrieb finden werde. Der Kaufmann verweist auch auf eine EDEKA-Studie, die klar formuliere, dass sich ein zweiter Markt in unserem Ortsteil nicht lohne. "Was hier passieren soll, ist reines Plattmachen!"
Tatsache sei auch, dass in ländlichen Regionen noch kein Edeka-Betrieb neben Netto überlebt habe.