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Von wegen "Repowering" - das ist doch Bauernfängerei

Zoff im Drochterser Ausschuss mit Windanlagen-Betreibern / Investoren wollen neuen Standort für Windpark Ritsch

ig. Drochtersen. "Gegenüber diesen Plänen müssen wir eine kritische Haltung einnehmen. So war das nicht verabredet. Das hat mit Repowering nichts zu tun. Die wollen uns nur ködern.“ Bei den Mitgliedern des Drochterser Ausschusses für Gemeindeentwicklung, Umwelt und Tourismus herrschte Einigkeit. Die ablehnenden Aussagen bezogen sich auf die Absicht der Umweltmanagement AG (UMaAG), den Windpark in Ritsch an einem anderen Standort zu „repowern“. Die Entscheidung hänge mit der Autobahn-Planung zusammen, erläuterte Uwe Leonhardt, Chef der Betreiber-Gesellschaft, auf der Sitzung. Der vorhandene Windpark befinde sich zu dicht am "Kehdinger Kreuz", das zwischen Ritsch und Ritschermoor geplant sei. Also: „Die Mühlen müssen mittelfristig weichen.“ Deshalb werde in dem Windpark-Erweiterungsgebiet, das in Höhe Aschhorn im Regionalen Raumordnungsprogramm des Landkreises ausgewiesen sei, rechtzeitig ein Ersatz geplant.
Vorgesehen sind mindestens vier Anlagen in der Größenordnung von drei Megawatt (MW). Die im Jahr 2003 in Ritsch aufgestellten Anlagen haben eine Leistung von 1,5 MW. Die UMaAG will den neuen Park noch in diesem Jahr zur Genehmigungsreife bringen. Grund: Dann könne die Betreiber-Gruppe noch mit festen Einspeisepreisen rechnen. Und: Solange die Altanlagen in Ritsch nicht stören, sollen sie stehenbleiben.
Damit waren die Ausschussmitglieder nicht einverstanden. Nach Ansicht des FWG-Fraktionssprechers Cornelius van Lessen bedeute doch „Repowering“, dass alte leistungsschwächere Anlagen durch weniger neue leistungsstärkere ersetzt werden. Hinsichtlich des Begriffes gäbe es keine feststehende Definition, antwortete Leonardt. „Es können auch zusätzliche Anlagen erbaut werden, da die Vorranggebiete möglichst effizient ausgenutzt werden sollten.“ CDU-Mann Bernd von Essen setzte nach: Das sei kein Repowering, sondern „Bauernfängerei“.
Von den Ausschussmitgliedern wurde zum Ausdruck gebracht, dass nicht nur die wirtschaftlichen Interessen der Windanlagenbetreiber und Pächter, vielmehr auch die Interessen der Bürger zu beachten seien. Konkret: Die neuen Mühlen im Drochterser Windpark würden es ja immerhin auf eine Höhe von 190 Metern bringen. „Schall- und Schattenproblematik können die angrenzende Wohnbebauung belasten“, so SPD-Mitglied Wilfried Barwig. Das werde alles berücksichtigt, so Leonardt. Überzeugen konnte er die Ratsmitglieder nicht. Einstimmig wurde beschlossen, dem Verwaltungssausschuss zu empfehlen, die Thematik in die Fraktionen zur Beratung zu überweisen. Der tagte inzwischen - und schloss sich der Empfehlung an.